Mönchengladbach: Feinstaub: Gefahr für Gesundheit
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Mönchengladbach (RP). Zwar ist die Belastung mit schädlichen Partikeln in der Atemluft seit den 90er-Jahren auch in Mönchengladbach zurückgegangen. Lungenfachärzte fordern jedoch, dass weitere Maßnahmen nötig sind, um durch Feinstaub ausgelöstes Asthma, COPD und Herzerkrankungen zu verringern.
Mit bloßem Auge ist die Gefahr nicht zu erkennen: Nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes belasten Feinstaub und Schwebstaub jedoch die Atemluft – in NRW sogar vergleichsweise stark. Je winziger die Staubpartikel sind, desto größere Gefahren drohen Lunge, Bronchien und dem Herz-Kreislaufsystem.
Das bestätigen übereinstimmend der in der Gladbacher Stadtmitte niedergelassene Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde Dr. Hamayon Hemat und der Chefarzt der Klinik für Pneumologie an den Kliniken Maria Hilf, Privatdozent Dr. Andreas Meyer.
Feinstaub belastet auch das Herz
Staubteilchen in einer Größenordnung von einem Tausendstel-Millimeter und auch zehnmal größere Partikel können nicht mehr von den natürlichen Filtern der Atmungsorgane, den Nasenschleimhäuten und dem Rachen, vor dem Eindringen in Organe abgehalten werden. Dazu Dr. Andreas Meyer: "Partikel in der Größe von fünf bis 10 µm können bereits den Kehlkopf überwinden, solche von drei bis fünf µm gelangen in die Luftröhre und die Hauptbronchien.
Gefahr durch Feinstaub
Urheber (gemäß Umweltbundesamt) Industrieprozesse (28%), Kraft- und Heizwerke (14%), Verkehr (10% Nutzfahrzeuge; 5% Pkw; 2% übriger Verkehr: zusammen 17%), Andere Quellen (13%), Haushalte und Kleinverbraucher (11%), Schüttgut (10%), Industrie-Feuerungen (5%), Reifenabrieb (2%)
Gesundheitsschäden Herz: Entzündungen der Herzkranzgefäße; Lunge: entzündliche Prozesse in den Bronchien und den Lungenbläschen (Alveolen); Verstärkung von Asthma; Verschlechterung der Lungenfunktion und -kapazität
Regionale Belastung NRW gilt als hoch belasteter Bereich.
Geringe Belastung Meeresküsten; höheres Bergland und Hochgebirge
Die ganz feinen (kleiner als 2,5 µm) finden sogar den Weg in die Alveolen [die unteren Lungenbläschen, die Red.]. Und von dort aus kommen sie über den Blutkreislauf bis ins Herz", weiß der aus Hamburg stammende 58-jährige Facharzt, der am Krankenhaus St. Kamillus arbeitet. Damit, so Meyer, führe Feinstaubbelastung bei manchen Menschen zu akuten entzündlichen Prozessen in der Lunge, aber auch zu Entzündungen der Herzkranzgefäße. Auch Menschen, die an COPD (Chronisch-obstruktive Lungenkrankheit) leiden, sind von den negativen Auswirkungen des Feinstaubs betroffen, betont Dr. Meyer.
"Viele dieser Patienten sagen mir: ,Wenn ich mich aus meiner Wohnregion entferne und zum Beispiel an die See reise, geht es mir gleich deutlich besser'", nennt der Arzt einen Ansatz zur Abhilfe. Eine Studie belege auch, "dass das Risiko für einen Schlaganfall mit der langfristigen Feinstaubexposition steigt", hebt Meyer hervor.
Auch die Gefahr von Asthma – besonders bei Kindern – wächst durch Aufnahme von Luftschadstoffen, die unter anderem aus dem Betrieb von Kohle- und anderen Kraftwerken, Industriefeuerungen, industrieller Produktion und dem motorisierten Verkehr in die Luft entweichen. Nach einer vom Umweltbundesamt im Netz veröffentlichten Statistik liegt der Anteil der Schadstoffe, die von Nutzfahrzeugen (10 Prozent) und Pkw (5 Prozent) emittiert werden, mit insgesamt 15 Prozent allerdings deutlich niedriger als der Beitrag von Industrie und Kraftwerken: Zusammen bringen diese es auf etwa 42 Prozent.
"Wir sind in NRW eine ziemlich belastete Region", sagt Dr. Meyer. Davon künden auch die Feinstaub-Messstellen in Mönchengladbach. Im Vorjahr wurde der zulässige Grenzwert für Feinstaubkonzentration an der Station Friedrich-Ebert-Straße an 46 Tagen überschritten. Zulässig sind 35 Tage.
Von den Plänen der Stadtverwaltung, Umweltzonen einzurichten, um die Belastungswerte zu verringern, hält Andreas Meyer gleichwohl nicht allzu viel. "Eine Umweltzone kann angesichts des geringen Anteils des Verkehrs an der Verschmutzung mit Feinstäuben nur begrenzt wirksam sein", meint er. Daher misst er solchen Maßnahmen eher nur symbolische Bedeutung zu. "Es müsste auf ganz breiter Ebene für eine Verbesserung der Atemluft gesorgt werden", plädiert der Chefarzt.
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