Mönchengladbach: Finale, oho!
VON THOMAS GROLKE - zuletzt aktualisiert: 27.06.2008Mönchengladbach (RPO). Nach dem Spielabpfiff dauerte es keine fünf Minuten, da hatten sich bereits die ersten Autokorsos gebildet. 5000 Fans tanzten und sangen auf den Straßen. Es war ein friedliches Fest von Deutschen und Türken.
Kurz vor Mitternacht zog Dirk Krienen die Blicke auf sich. Mit seinem ganz in schwarz-rot-gold gekleideten Wagen fuhr er auf den Alten Markt, um mit tausenden Fans den Finaleinzug der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft zu feiern. „Ich komme gerade aus Rheydt, da ist die Stimmung auch optimal und absolut friedlich.“ Ganz Gladbach verwandelte sich nach dem 3:2-Sieg gegen die Türkei am späten Mittwochabend in ein Jubelmeer – und der Verlierer feierte mit.
„Natürlich hätten wir uns über einen türkischen Sieg gefreut. Doch jetzt drücken wir der deutschen Elf die Daumen“, sagten Mehmet Benzer und Kürklü Özkan und gratulierten deutschen Anhängern fair: „Es bleibt alles friedlich, wir feiern mit den Leuten.“ Derweil entwickelte sich die Kreuzung Aachener Straße/Sandradstraße zur ultimativen Partyzone. Autos mussten hier wenden, wenn sie nicht zum Allgemeingut des euphorisierten Fußvolkes werden wollten. Fabian Bongartz und André Hildmann hatten sich mit ihrem Wagen denn auch nicht bis ganz oben hinauf getraut, fuhren aber wie viele andere Stepges- und Viersener Straße rauf und runter. „Schön, dass auch die Türken beim Autokorso mitgemacht haben“, sagte Hildmann. Auch Felix Krüppel und Lukas Klatt waren von der Atmosphäre in Gladbachs Innenstadt begeistert: „Super Stimmung und total liberal. Es gibt hier kein Gegeneinander.“
Schon beim Public Viewing im Gladbacher Hockey-Park war alles ohne Aggressionen abgelaufen. Das Ordnungspersonal kam erst ins Schwitzen, als jubelnde Fans nach dem Schlusspfiff das Hockey-Feld stürmten. Das spannende Spiel verfolgten die 3500 Zuschauer gesittet. „Es ist eine schöne Atmosphäre, allerdings hatten wir schon mit mehr Türken gerechnet“, sagten Christel und Hans-Dieter Schippers, die als RP-Gewinner das Spiel auf der Großbildleinwand verfolgten.
In der Tat waren nur vereinzelt türkische Fans inmitten der schwarz-rot-goldenen Anhängerschar auszumachen. „Es ist trotzdem der Hammer hier. Und wir haben auch kein Problem mit den vielen Deutschland-Fans. Wenn die Türkei nicht mitspielen würde, wäre ich auch für Deutschland“, sagte Ömer Örs.
Und als Philipp Lahm in der 90. Minute den Siegtreffer für die deutsche Elf erzielte, applaudierten die traurigen Türken ihrem tapferen Team. Der Rest feierte ausgelassen, zunächst im Hockey-Park und später in der Altstadt und der City von Rheydt. Fängesänge, Feuerwerkskörper und die eine oder andere „Humba“ prägten die Party. Und nicht nur Fabian Bongartz war sich sicher, dass es nicht die letzte Feier dieser Art gewesen ist: „Jetzt haben wir am Sonntag noch einmal dasselbe Programm.“
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