Mönchengladbach: Finanznot in Kindergärten
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008Mönchengladbach (RPO). Erzieherinnen klagen: In den Kindertagesstätten fehlen Personal und Geld. Das führe dazu, dass Kinder im Extremfall nur noch sauber, satt und trocken gehalten werden können. Für den Bildungsauftrag bleibt keine Zeit.
Hochausgebildete Fachkräfte, die einen Großteil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, Betten abzuziehen und Waschmaschinen zu befüllen. Berufspraktikanten, die trotz Personalmangel in Kindertagesstätten keinen Job finden. Erzieherinnen, die am Rande ihrer Kräfte sind.
Das neue Kinderbildungsgesetz, kurz Kibiz, hat in vielen Kitas denkwürdige Blüten getrieben. So schildern es zumindest Expertinnen aus der Praxis. Gut 100 Tage nach Inkrafttreten des Gesetzes haben die SPD-Landtagsabgeordneten Angela Tillmann und Hans-Willi Körfges sowie Monika Berten, Sprecherin im Jugendhilfeausschuss, zum Erfahrungsaustausch geladen. Die größten Probleme: Weniger Geld Nach dem neuen Gesetz haben viele Kindertagesstätten unter dem Strich weniger Geld zur Verfügung.
U 3-Betreuung
Bis Oktober 2010 muss die Stadt 500 neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren einrichten.
Finanzen Bereits für dieses Kindergartenjahr waren 300 neue Plätze für die U3-Betreuung geschaffen worden. Das kostete die Stadt mehr als 1,7 Millionen Euro.
Der Grund: Früher wurden die Personalkosten vom Land erstattet, heute gibt es eine Pauschale, die sich nach der Zahl der zu betreuenden Kinder richtet. Deutlich im Nachteil sind Kitas mit vielen älteren Erzieherinnen. Sie verdienen mehr, sind also teurer. Weil viele Kindergärten aber verständlicherweise nicht auf ihre erfahrenen Kräfte verzichten wollen, haben in einigen Kitas Erzieherinnen bereits auf ihre tarifliche Bezahlung verzichtet – auch um Entlassungen zu vermeiden.
Da die Berufsanforderungen gewachsen sind, führt das nicht selten zu Unzufriedenheit. Arbeitsverteilung Das neue Gesetz fordert zwei Fachkräfte pro Gruppe, wenn unter Dreijährige betreut werden. Da bleibt kein finanzieller Spielraum für Zusatzpersonal. Die Folge: Eine Erzieherin aus der Gruppe ist einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Windeln wechseln und Essen zubereiten beschäftigt. Diese Aufgaben wurden bisher weitestgehend von Kinderpflegerinnen übernommen. Doch die dürfen nur noch in Ausnahmefällen und für eine Übergangszeit eingestellt werden. Wird eine Erzieherin krank, sieht es ganz schlimm aus.
Personalmangel
Die Personaldecke ist knapp. Selbst so genannte Anerkennungspraktikanten können vielerorts nicht mehr eingestellt werden, weil dafür keine Mittel zur Verfügung stehen. Die Folge: Die Kinderbetreuung muss sich oft auf das Allernotwendigste beschränken. „Früher haben wir in den Kitas Ernährungs- und Impfberatungen angeboten – das muss jetzt alles wegfallen“, sagte eine Erzieherin. Für den Bildungsauftrag bleibe überhaupt keine Zeit. „Auf eine Mittagspause wird bei uns schon verzichtet, weil wir die Arbeit kaum schaffen können“, sagte eine Kindergartenleiterin. Und: „Vielleicht können wir noch ein halbes Jahr so weiter arbeiten. Aber dann wird der Krankenstand enorm steigen. Viele können jetzt schon nicht mehr.“
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