Mönchengladbach: Flüchtiger Mörder gibt auf
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010Mönchengladbach (RPO). Marcus von B., der im Sommer 1993 in Hehn auf seine schlafenden Eltern schoss, sitzt wieder hinter Schloss und Riegel. Nach einer fast achtjährigen Flucht, gab der heute 42-Jährige auf. In München stellte er sich der Polizei.
Prozessbeobachter von damals können sich noch genau an Marcus von B. erinnern. Ohne erkennbare Regung vernahm der Angeklagte im November 1994 das Urteil gegen ihn: lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Doch Marcus von B., auch "der Muttermörder" genannt, sollte seine Strafe nicht absitzen. 2002 gelang ihm die Flucht, die erst am Dienstag enden sollte.
Vater verzieh dem Sohn
In der Nacht zum 12. Juli 1993 hatte der damals 24-Jährige mit einer 9-mm-Pistole im elterlichen Bungalow in Hehn auf seine schlafenden Eltern gezielt. Auf beide gab er je einen Schuss ab. Gegen 1.30 Uhr alarmierte Marcus von B. die Polizei und erklärte zunächst, er habe seine Eltern schwer verletzt im Schlafzimmer gefunden. Dann verstrickte er sich in Widersprüche, später folgte sein Geständnis. Während die Mutter starb, überlebte der Vater die Bluttat schwer verletzt. Und er verzieh seinem Sohn.
Chronik des Falls
Am 12. Juli 1993 schoss Marcus von B. auf seine Eltern
Am 13. Juli 1993 erlässt der Richter Haftbefehl gegen den damals 24-Jährigen.
Am 17. November 1994 wird im Prozess das Urteil gefällt.
Am 29. Juli 1995 tritt Marcus von B. seine Gefängnisstrafe an.
Am 7. August 2002 flieht er
So kam es auch, dass Marcus von B. seinen Vater aus dem Gefängnis bei begleiteten Ausgängen besuchte. Beim fünften Treffen am 7. August 2002 klagte Marcus von B. über Darmbeschwerden. Mehrfach habe er die Toilette aufgesucht, soll ein Justizangestellter später ausgesagt haben. Gegen 13.20 Uhr war das Fenster des Gäste-WCs auf und Marcus von B. weg. Wenig später schwärmten Polizeibeamte der Einsatzhundertschaft aus und durchsuchten Haus und Umgebung, außerdem wurde ein Hubschrauber angefordert. Doch Marcus von B. blieb verschwunden – für die nächsten siebeneinhalb Jahre.
Eine Woche später wurde noch das Fluchtauto in Nancy gefunden, dann verlor sich jede Spur. Alle Fahndungen blieben erfolglos, und auch ein Aufruf in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst brachte nicht die gewünschten Hinweise. In der Stadt kursierten wenig später Gerüchte, der gesuchte Häftling habe sich nach Thailand abgesetzt. Wo Marcus von B. die vergangenen Jahre tatsächlich verbracht hat, konnte Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes, nicht sagen. Nur so viel: "Zielfahnder haben ihn am Dienstag in der Kanzlei seines Anwaltes in München festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt Remscheid gebracht. Es hat eine Vorabsprache mit der Justiz gegeben." Marcus von B. habe sich selbst zu Ausgabe entschieden. Offenbar hatte er sich dafür Rechtsbeistand gesucht, der die Festnahme vereinbarte.
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