Mönchengladbach: Fööss: Bitte keinen Schal mehr!
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 11.01.2010Mönchengladbach (RPO). Nach der "Schal-Affäre" auf der Borussia-Sitzung sagten die Höhner ihren Auftritt in dieser Session ab – die Bläck Fööss aber kommen wieder. Die Band-Mitglieder erzählen, wie sie den "Skandal" und seine Folgen erlebten und was sie erwarten.
Am Anfang stand der Schal. Und der löste eine kölsche Krise aus,wie sie die Domstadt selten erlebt hatte. Das Ende vom Lied: Die Höhner trauen sich nicht mehr zur Borussia-Sitzung, und auch die Bläck Fööss hoffen, dass sich das Schmieren-Theater vom letzten Jahr nicht wiederholt. Aber von vorn: Bei der letzten Fohlen-Party gab's statt Orden grün-weiße Gladbach-Schals. Die wurden den kölschen Karnevals-Künstlern umgehangen. Wie's der Zufall wollte, gab es davon auch ein Foto in der Rheinischen Post.
Und danach einen kölschen Aufschrei der so groß war, dass die Höhner in ihrer Not sogar das Gespräch mit den FC-Fans suchten. Geholfen hat das nix – aus Angst vor den krawalligen Fußball-Anhängern traut sich die Truppe nicht, am 24. Januar bei der Borussia aufzutreten.
Offiziell hört sich das so an: "Die Höhner haben einen Auftritt im Aachener Eurogress beim Lachenden Geulen-Theater", erklärt Programmmacher Jupp Lutter. "Sie dann auch noch ins Kunstwerk in Wickrath zu holen, klappt zeitlich nicht." Dieses "Problem" gebe es in jedem Jahr, auch für 2011 könne er einen Höhner-Auftritt nicht zusagen. Immerhin kämen aber doch die Bläck Fööss.
Auch die bekamen nach der Schal-Affäre den Unmut der FC-Fans zu spüren, wurden aufs Übelste beschimpft. Fööss Erry Stoklosa: "In unserem Internet-Forum brach ein regelrechter Krieg aus. Das war unfassbar. Ganz, ganz schlimm. Ein Wunder, dass keine Morddrohungen kamen...".
Einer schrieb: "Für mich war es das mit Euch. Von wegen Heimat, Köln und Identität. Nie wieder Bläck Fööss!". "Widerlich" sei die Schal-Sache, ein "Verrat der "kölschen Seele". Ein anderer wetterte: "Ihr Verräter mit dem grünen Schal – in unsrem Stadion wollen wir euch nicht mehr sehen."
Dabei stellen die Fööss klar: "Wir spielen auf der Sitzung nicht für Borussia-Fans sondern für Fööss-Fans. Von ein paar Chaoten, die sich Fußball-Fans nennen, lassen wir uns nicht beeindrucken. Schon gar nicht das Feiern verbieten."
Und an Mönchengladbach hatte Stoklosa bis dato eigentlich nur die besten Erinnerungen. "Wir haben unsere allerersten Konzerte 1975 in der damaligen Kaiser-Friedrich-Halle gegeben. Das war immer schön", erzählt der Sänger der erfolgreichsten Kölsch-Band.
Im Bezug auf die kommende Borussia-Sitzung bittet Stoklosa um ein bisschen mehr Sensibilität. "Das Prinzenpaar hat uns damals den Schal umgehangen – es war ein Akt der Höflichkeit, den anzunehmen. Aber noch mal würden wir das nicht machen." Deshalb: "Lasst die Sache einfach ruhen, schüttet nicht noch weiter Öl ins Feuer."
Den Vorschlag des Mönchengladbacher Karnevals-Chefs Bernd Gothe, stattdessen ein Fässchen Altbier zu überreichen, findet Stoklosa gar nicht schlecht: "Da sind wir tolerant – ein warmer Händedruck würd's aber auch tun."
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