Mönchengladbach: Folgenreicher Starkregen
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.08.2008Mönchengladbach (RPO). 15 Regenschreiber können es belegen: Die Zahl der lokalen, sintflutartigen Niederschläge hat zugenommen. Allein in diesem Jahr wurden ganze Stadtgebiete zweimal regelrecht überschwemmt. Das soll nicht ohne Folgen bleiben.
Aus der Statistik
Regenmenge Am 29. Mai fielen sechs Milliarden Liter in zirka 45 Minuten auf die Stadt. Am stärksten betroffen war das östliche und südliche Stadtgebiet.
Zum Vergleich 29 Regenrückhaltebecken in der Stadt fassen insgesamt 106 000 Kubikmeter, der Mischwasserentlastungssammler Dahl-Hamern-Neuwerk 66 000 und der Zuleitungssammler 80 000 (zurzeit 35 000 in Betrieb) Kubikmeter.
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Die Dohler Straße bekommt einen neuen Regen- und Schmutzwasserkanal, die Untereickener Straße einen Mischwasserkanal. Die Römerstraße erhält einen Regenwasserkanal, und in Eickesmühle wird der Heydener Bach direkt an die Niers angebunden. Das sind vier Maßnahmen, die nach den sintflutartigen Regengüssen mit katastrophalen Auswirkungen vorgezogen werden sollen. Stadt und NVV reagierten damit auf die Überflutungen, die folgenden Beschwerden und Schadenersatzansprüche von Hochwassergeschädigten.
Die Pläne sollen in den zuständigen Gremien beraten werden, dann soll zügig mit den Bauarbeiten begonnen werden. Doch eines kann NVV-Prokurist Armin Marx jetzt schon sagen: „Selbst wenn bis 2014 alle Regenrückhaltebecken, Mischwasserentlastungssammler und Kanäle gebaut sind – einen Regen, wie am 29. Mai können wir auch dann nicht schadlos überstehen.“
Sechs Milliarden Liter
Den 29. Mai werden viele Mönchengladbacher nicht so schnell vergessen. Mitten am Tag wurde es nachtdunkel. Dann ergossen sich die Fluten: Sechs Milliarden Liter Wasser prasselten in gut 45 Minuten auf das Stadtgebiet nieder. Ganze Straßenzüge wurden überflutet und Keller unter Wasser gesetzt. Aus den Gullys spritzten Fontainen, und die Niers hatte innerhalb von Sekunden ihren Höchstpegel erreicht. So etwas hatte es in der über 30-jährigen Geschichte der NVV-Niederschlagsmessungen noch nie gegeben. Kaum hatten die Hochwassergeschädigten die letzten Pfützen beseitigt, kam der nächste starke Guss. Am 22. Juni wurde wieder alles überflutet.
Starkregen – das heißt bei den Fachleuten: In einer Stunden fallen auf einen Quadratmeter mehr als 28 Liter. Das bedeutet auch: Alles läuft voll. Nach bisherigen Auswertungen geschah das in der Vergangenheit vielleicht alle 30 Jahre einmal. Seit 2002 taucht das Phänomen Starkregen häufiger auf. „Das beobachten wir nicht nur in Mönchengladbach“, sagt Annette Kerkes-Grade, Leiterin des Fachbereichs Umweltschutz und Entsorgung. Deshalb werde im Landesumweltamt auch bereits darüber nachgedacht, ob die Richtlinien, nach denen Kanäle und Regenrückhaltebecken bemessen werden, verändert werden müssten. Aber noch sei es nicht soweit.
Und deshalb richte sich die NVV noch nach der so genannten Dülkener Regenreihe, die landesweit die technische Grundlage für den Kanalausbau bildet. „Technisch gesehen sind natürlich auch Riesenkanäle möglich. Aber wir müssen auch an die Gebühren denken“, sagt Marx.
Die werden jetzt auf die Anwohner der Dohler Straße zukommen: Kanalanschlussgebühren, Niederschlagswassergebühr und je nach Ausbau der Straße auch neue Erschließungskosten.
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