Mönchengladbach: Franz Meyers kommt nach Hause
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 30.03.2009Mönchengladbach (RPO). Die Ausstellung über den Mönchengladbacher Ministerpräsidenten Franz Meyers im Schloss Rheydt ist eröffnet. Sie zeigt den rheinischen Politiker im Kontext seiner Zeit mit seltenen Exponaten. Seine Witwe Wilma Meyers gehörte zu den ersten Besuchern. Ihr Urteil: "Ganz ausgezeichnet."
Sie kennt ihn so gut wie kaum ein anderer Mensch. Und doch entdeckt Wilma Meyers auch heute noch neue Seiten, wenn sie sich mit ihrem verstorbenen Mann beschäftigt. Denn Franz Meyers, diese Persönlichkeit, die nahezu alle anderen Mönchengladbacher in den Schatten stellt, ihm ist nun eine Ausstellung im Schloss Rheydt zu Teil geworden. Eine Ausstellung, die ihn zeigt als Landesvater und Sohn der Stadt. Als Ministerpräsident und praktizierenden Rheinländer, als Privatmann und Politiker. Vor allem aber als Mönchengladbacher. "Ich habe eine Woche in meinem Haus gesucht und eine ganze Reihe Exponate zur Verfügung gestellt", sagte die Witwe des 2002 verstorbenen Politikers. Spazierstock, Hornbrillen, einmalige Fotos des CDU-Politikers beim Sport, sein nachgebautes Wohnzimmer und mehr. Aber das ist eben nicht die ganze Ausstellung.
Die Ausstellung
Wo? Museum Schloss Rheydt, Herrenhaus
Wann? Bis zum 5. Juli 2009
Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Eintritt Drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro.
Führungen Für Schulklassen sind Führungen durch die ständige Sammlung und die Sonderausstellung kostenfrei. Buchung unter Tel. 02166 9289015.
Dr. Wilhelm Stratmann, Leiter des Museums Schloss Rheydt, führte am Samstag stolz die ersten Besucher durch die sechs Räume. Sie fasst Schätze aus dem Nachlass Meyers, aus dem Landesarchiv NRW, dem Stadtarchiv, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Kunstsammlung NRW und des deutschen Polizeimuseums in Salzkotten zusammen. Um Franz Meyers zu begreifen, muss man eben etwas weiter schauen als nach Mönchengladbach.
Da ist zum Beispiel seine Idee als Innenminister der 50er Jahre, wie man die berüchtigten Autobahnräuber bekämpfen könnte. Dummerweise tuckerte die Polizei im VW-Käfer nur hinterher. Also schaffte Meyers, ganz der pragmatische Rheinländer, sechs Porsche Cabrios für die Polizei an. Deren Modelle und Polizeiuniformen sind nun zu sehen. Dazu Schallplatten, Filme, die Ausgabe des Magazins "Der Spiegel" mit Meyers auf dem Titel – Wilma Meyers staunt: "Die Persönlichkeit ist ganz ausgezeichnet herausgestellt."
Die Ausstellung zeigt Meyers im Kontext seiner Zeit. Einige Exponate haben eigentlich gar nichts oder nur indirekt mit dem Ministerpräsidenten und früheren Gladbacher OB zu tun. Ausgaben der Zeitschriften Playboy und Praline, Bravo und die ADAC Motorwelt aus den 60er Jahren, Nivea-Creme-Döschen aus den 50ern – liebevoll lassen die Macher die Zeit lebendig werden. Oder aber das Bild von Paul Klee aus der Kunstsammlung NRW, die Meyers einst gründete. Die Ausstellung ist wie ein kleines Haus der Geschichte, die es nicht in das Bonner Haus geschafft hat. Mit dem Unterschied, dass Meyers' Geschichte am 27. Januar 2002 mit dessen Tod endete. Nicht jedoch dessen Wirken, davon ist Landtagspräsidentin und Schirmherrin Regina van Dinther überzeugt: "Klare Vorstellungen, Durchsetzungsvermögen, ein Politiker zum Anfassen; also ein echter Landesvater. Die heute Verantwortlichen klagen auf sehr hohem Niveau. Meyers Zeit war ungleich schwieriger." Und OB Norbert Bude bezeichnete seinen Vor-Vorgänger als einen "menschlichen Macher", der seine Heimatstadt wie kaum ein Zweiter liebte. "Als er Ehrenbürger wurde, sagte er in Anlehnung an Kennedy: ,Ich bin ein Mönchengladbacher'", erinnerte Bude.
Franz Meyers selbst, daran hegt kaum jemand einen Zweifel, hätte diese Ausstellung am besten gefallen. Vor allem, weil sie in Mönchengladbach ist. Franz Meyers ist zu Hause.
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