Mönchengladbach: Frust im Römerbrunnen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 27.09.2008Mönchengladbach (RPO). Der Wind pfeift durch die alten Fenster, das Wasser läuft durch marode Dächer: Die Mieter halten die Aktivitäten des neuen Eigentümers für Flickschusterei. Oberbürgermeister Bude war vor Ort und fordert einen Masterplan.
Die Mieter im Römerbrunnen werden ungeduldig. Und langsam auch richtig sauer. Mit Misstrauen beobachten sie die Aktivitäten des neuen Eigentümers der Hochhäuser an der Giesenkirchener Straße. Ihre Kritik: Die so genannte Ladenpassage stehe nach wie vor komplett leer. Es sei zwar viel Farbe verwendet worden, um die Fassaden der Wohntürme aufzupeppen, aber von Wärmedämmung keine Spur. Ein Mieter beklagt sich: „Was nützt mir billige Farbe, wenn ich 3000 Euro nachzahlen muss, weil meine Wohnung nicht isoliert ist und der Wind durch die alten Alu-Fenster pfeift.“
Alles billiger Kram
Elf Hochhäuser
Leerstand In den elf Wohntürmen befanden sich ursprünglich 755 Wohnungen. Die Häuser Nummer 20 und 30 stehen seit vielen Jahren leer. Schon lange sind viele Wohnungen unbewohnt.
Grand City Management Berlin heißt der neue Eigentümer, der große Hotelketten besitzt und marode Siedlungen aufkauft.
Ein anderer sagt: „Die Dächer sind total undicht, das Wasser läuft seit Jahren in die Häuser, deshalb sind in der Regel die oberen Etagen gar nicht bewohnt.“ Und eine Mieterin, die in einer frisch renovierten Wohnung lebt, ist entsetzt, weil die Feuchtigkeit jetzt schon durch die Fliesenfugen ins Bad dringt und die Armaturen bereits den Geist aufgegeben haben. „Das ist alles billiger Kram“, sagt sie.
Oberbürgermeister Norbert Bude hat mit den Dezernenten Michael Schmitz und Helmut Hormes den Römerbrunnen besichtigt. „Der neue Besitzer hat nicht nur geredet, er hat tatsächlich etwas getan“, sagt er. Er ließ sich renovierte Wohnungen mit neuen Böden und Bädern zeigen und machte sich ein Bild von den Außenanlage, die mit Spiel- und Sportgeräten ausgestattet wurden. „Es bleibt noch eine Menge zu tun“, sagt er, „aber ein Anfang ist gemacht.“
Das suggeriert zumindest auch das neue Transparent: „Willkommen im Carolina Park“, heißt es auf duftig-pastellfarbenem Grund. Darunter die Silhouette der Hochhäuser, die früher unter dem Namen Römerbrunnen berühmt-berüchtigt waren, und heute – in warmes Sonnenlicht getaucht und von einem Regenbogen überspannt – Carolina Park heißen sollen. Die leerstehende Tankstelle hinter dem Schild hat einen frischen Anstrich bekommen, der hässliche Bauzaun ist verschwunden, das Haus Nummer 29 direkt an der Giesenkirchener Straße ist in ein knalliges Rot getaucht, und in Außenanlagen und Waschbetonkübeln blühen frische Blumen. „Das macht etwas her“, sagen die Bewohner, „aber wir haben das Gefühl, dass die völlig unkoordiniert mal hier, mal da etwas tun. Da ist kein Gesamtkonzept zu erkennen.“
Norbert Bude und seine Dezernenten haben einen Masterplan vom Eigentümer, der Grand City Berlin, gefordert. „Der soll bis Ende des Jahres vorliegen und die Grundlage für alle weiteren Fragen sein“, sagt der Oberbürgermeister. „Wir bleiben auf jeden Fall dran.“
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