Mönchengladbach: Fußballfrauen im Kamera-Fokus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 02.04.2011Mönchengladbach (RPO). Die Volkshochschule präsentiert im Rahmen des Kulturprogramms zur Frauen-WM eine Schau des Fotografen Günter Bauer. Diese zeigt die Pionierinnen des Frauenfußballs von den Anfängen bis heute in ganz persönlichen Augenblicken. Die Fotos hängen bis zum 14. April in der VHS.
Die Pionierinnen sind in die Jahre gekommen, zumindest die der ersten Stunde. Das Feuer aber, das sie in sich hatten, als sie kickten, als es Frauen noch offiziell verboten war, das ist zu sehen in den Augenblicken, die Günter Bauer festgehalten hat. Bauer, der ein wenig ausschaut wie ein etwas älterer Jogi Löw, hat sie eingefangen mit seiner Großformatkamera. 24 seiner "Pionierinnen", die den Frauenfußball von seinen Anfängen in den 1950ern bis heute geprägt haben, sind bis zum 14. April in der VHS zu sehen.
Kulturelle Facetten
Bauer mag den schönen Fußball, auch den, den Borussia früher spielte. Weswegen er froh ist, dass die Schau ausgerechnet in Gladbach beginnt, bevor sie im Rahmen des Kulturprogramms, das der Deutsche Fußball-Bund zur Frauen-WM entworfen hat, auf Reisen geht. Zwar hat Bauer sein "Projekt", wie Kultur- und Sportdezernent Dr. Gert Fischer bei der Vernissage sagte, nicht eigens zur Weltmeisterschaft entwickelt, doch es passt in die Zeit. Sportlich, aber auch kulturell. "Es geht uns auch darum, mit den Veranstaltungen und Projekten, die wir zur WM in den neun Spielorten machen, die Vielfalt und die kulturellen Facetten des Frauenfußballs zu zeigen", sagte Oliver Tietz, Leiter der DFB-Kulturstiftung. Am Montag war schon der Film "Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen" über den Ex-Borussen Thomas Broich im Zuge der WM-Kulturoffensive in Gladbach zu sehen.
Als Anne Droste anfangs vor den Ball trat, war der Frauenfußball beim DFB noch das Gegenteil von der Chefsache, zu der ihn Präsident Dr. Theo Zwanziger heute gemacht hat. Droste und die anderen Frauen der ersten Stunde mussten in Hinterhöfen und Gärten spielen. "Wenn wir mit den Jungs gespielt haben, war das okay, aber wenn elf Mädels spielten, dann wurden wir weggeschickt", erzählte Anne Droste. 1955 gehörte sie zu den Gründerinnen des Damenfußballvereins DSV Fortuna Dortmund.
Bauer hat auch die Stars des Frauenfußballs fotografiert: Martina Voss-Tecklenburg, Steffi Jones, Silvia Neid und andere, so ist das Begleitheften zur Ausstellung ein "Who is Who" des Frauenfußballs. Tina Theune, die erste Bundestrainerin und Weltmeistermacherin, ist eine der frühen Pionierinnen. "Irgendwann hat sich der DFB dem Ganzen angenommen, weil einfach zu viele Frauen spielen wollten", sagte Theune bei der Eröffnung der Ausstellung. Bauer hat nicht nur die Gesichter des Frauenfußballs eingefangen, er hat Triptychen gestaltet, hat auch Ort und Erinnerungsstücke fotografiert und zu den Konterfeis gestellt: Fotos, Spielerinnenpässe, das Bambi, das Tina Theune 2003 bekommen hat. Kleine Sachen, die eine große Bedeutung haben. Zudem gibt es einen 30 Minuten langen Film, der die Entstehung der Bilder dokumentiert und sie mit Interviews flankiert.
Bauers Botschaft funktioniert über die Fotos allein, am besten aber multimedial. "Es gibt Antworten und Rätsel", sagt er. "Die Pionierinnen" verkörpern Geschichte, regen zum Nachforschen an und machen Lust auf die Zukunft. "Es ist einfach wunderbar, Fußball zu spielen", gesteht Pionierin Margret Eisleben.
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