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Mönchengladbach: Gebet unter Eickener Laternen

VON JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010

Mönchengladbach (RPO). Seit Behörden die Moschee versiegelten, beten Mitglieder des islamischen Vereins "Einladung zum Paradies" nachts auf dem Eickener Marktplatz. Die Bürgerinitiative spricht von Provokation. Die Salafisten verhalten sich auffällig freundlich. Einen Dialog gibt es zwischen den Gruppen noch nicht.

Auf dem Eickener Marktplatz herrscht Ruhe. Einige Autos sind hier abgestellt. Vereinzelt laufen Menschen durch die Lichtkegel der Laternen vor der Mehrzweckhalle. Um 22 Uhr, in einer Stunde, will hier der islamische Verein "Einladung zum Paradies" (EZP) wieder ein Nachtgebet abhalten. Weil die Behörden die Moschee in der Eickener Straße versiegelt haben, wichen die Salafisten aus Protest zum Pflichtgebet im Fastenmonat Ramadan auf den Marktplatz aus. Noch ist davon nichts zu sehen.

Am Rand des Platzes stehen Mitglieder der Bürgerinitiative, die sich vor einigen Stunden versammelt hatten, um die Arbeit an ihren Infoständen am Wochenende zu organisieren. Sie haben Anstecker zum Protest gegen die Islamschule hergestellt. Auf einem Button ist zu lesen: "Eickener Bürger wissen, Salafisten wollen Macht. Gewalt ist die Schwester der Macht." Sprecher Wilfried Schultz verabschiedet sich gerade. Die Anstrengungen der vergangenen Tage zeichnen sich deutlich im Gesicht des Juristen ab.

Die Gebete liefen ruhig ab

Wenige Meter entfernt bietet der Blick vom Balkon der Familie Laborge freie Sicht auf den Marktplatz zur einen, und auf die geschlossene Moschee zur anderen Seite. "Es ist erstaunlich leer heute Abend", sagt Markus Laborge. Noch eine halbe Stunde bis zum Nachtgebet. Der Vater von zwei Töchtern ist Busfahrer. Für die Frühschicht muss er in ein paar Stunden wieder aufstehen. "Auch wenn die Gebete in den vergangenen Nächten ruhig abliefen, hätte ich sie am liebsten gar nicht vor der Haustür", sagt der kräftig gebaute Mann. Auch er trägt einen Button der Bürgerinitiative. Seine Frau Tanja gleich zwei. Unten auf dem Platz rollen gläubige Muslime Gebetsteppiche auf einer Plastikplane aus. Immer mehr Autos werden auf dem Platz abgestellt. Immer mehr Männer in Gewändern haben ihre Schuhe ausgezogen und knien auf der Fläche. Auch die Polizei ist jetzt eingetroffen. Am Brunnen gegenüber stehen Passanten und beobachten das Geschehen. "Die sollen einfach verschwinden", sagt einer.

Ein leises Murmeln dringt von den rund 50 Betenden in die kühle Nacht. Nach dem Pflichtgebet steht Sven Lau, EZP-Vorsitzender, am Rand. Auch er scheint erschöpft von den Diskussionen um seinen Verein – und vom Fasten. "Wir freuen uns alle sehr auf das Fest zum Ende des Ramadan. Dann wird es keine Nachtgebete mehr geben", sagt Lau. Er könne ja verstehen, dass die Gebete als Provokation aufgefasst würden. Aber das sei nicht ihre Absicht. "Wir geben nicht nach. Aber wir hoffen auf einen Dialog mit den Bürgern, wollen Ängste abbauen und zurückkehren zum friedlichen Zusammenleben mit den Eickenern", sagt der Vater von vier Kindern beschwörend.

Als um 22.40 Uhr auch das Gebet beendet ist, taucht Pierre Vogel auf. Er ist gerade erst aus Bonn angereist. Sofort gehört dem konvertierten Chefprediger die Aufmerksamkeit der Gläubigen. Im Kameralicht wird er zu Interviews gebeten, rutscht in die Rolle des Missionars und spricht mit einem jungen Pärchen. Überzeugungsarbeit muss er hier nicht mehr leisten. "Meine Kinder sind große Fans von deinen Videos", sagt die dreifache Mutter. Auch sie ist zum Islam konvertiert.

Quelle: RP

 
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