Mönchengladbach: Geburtstag: Wilberz-Stiftung schüttet aus
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010Mönchengladbach (RPO). Mehr als sechs Millionen Euro hat die Josef und Hilde Wilberz-Stiftung in den vergangenen 30 Jahren an Mönchengladbacher Organisationen gespendet, die Menschen und Tiere in Not unterstützen. Groß öffentlich in Erscheinung getreten ist die Stiftung, ohne die vieles in der Stadt nicht mehr oder nicht in diesem Maße möglich wäre, gleichwohl nie.
Zum 30. Geburtstag gab es gestern im Haus Erholung die ersten öffentliche Feier in eigener Sache. Sie dürfte voll und ganz im Sinne des ungewöhnlichen Unternehmerpaars Josef (gestorben 1983) und Hilde Wilberz (gestorben 1994) gewesen sein. Denn genutzt wurde der Festakt vor rund 300 Gästen vor allem, um Gutes zu tun. Aus Anlass des Geburtstages wurden 30 mal 3000 Euro an Vereine, Verbände und Organisationen gespendet.
Im Sinne der Wilberz, die sich mit ebenso großer Selbstverständlichkeit wie Bescheidenheit für die Gemeinschafft einbrachten und praktisch ihr gesamtes Privatvermögen spendeten, dürfte der demütige Gestus der Veranstaltung gewesen sein. Michael Meuser, Vorstand der Stiftung, dankte den vielen Ehrenamtlern im Publikum, die unerlässlich für Menschen in Not arbeiten. "Wir geben ja nur Geld", so Meuser.
Gewürdigt wurde das Paar von Oberbürgermeister Norbert Bude. "Es wäre sehr kalt um uns herum, wenn es nicht solche Menschen geben würde", sagte Bude. Ina Obst-Oellers, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, strich heraus, wie grundsätzlich sich das Engagement der Wilberz von dem vieler Unternehmen unterscheide. Während Sponsoren stets auch eigennützige Ziele verfolgten, seien Mäzenaten altruistisch, also selbstlos. Dass die Jury zur Vergabe der 30 mal 3000 Euro fast 150 Anträge erhielt, zeige "das überwältigende Potenzial der ehrenamtlichen Kräfte in der Stadt".
Die Bedeutung von Stiftungen fürs Gemeinwesen zeigte Professor Anton Rauscher in seinem Festvortrag auf. Schon zu Zeiten der Römer habe es Stiftungen gegeben, vor allem zum Zwecke des Totenkults. Später seien dann im Mittelalter Spital- und Wohnstiftungen aufgekommen. In Zeiten, in denen der Staat für das soziale Wohlergehen verantwortlich gemacht werde, sei die Bedeutung von Stiftungen zeitweilig kleingeredet worden. Tatsächlich seien sie, so Rauscher, "komplementärer Eckpfeiler des Gemeinwesens". Sie straftem dem Eindruck Lüge, die moderne Gesellschaft gründe sich auf Egoismus und dem Recht des Stärkeren.
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