Mönchengladbach: Geburtstagsfeier für Franz Meyers
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2008Mönchengladbach (RPO). Gleich sechs Redner versuchten beim Festakt im Haus Erholung zum 100. Geburtstag des früheren Ministerpräsidenten Dr. Franz Meyers, ein Bild des bedeutendsten Mönchengladbacher Politikers zu zeichnen. Wie facettenreich, würdig und unterhaltsam das gelang, zeigte am Ende auch das Urteil jener zwei unter den rund 200 Zuhörern, die Meyers wohl am besten gekannt haben. Seine zweite Frau Wilma Meyers (93) resümierte: „Das war eine sehr gelungene Veranstaltung, auch wenn es für mich nicht ganz leicht war.“
Das Land erneuert
Helmut Freuen, früherer Oberstadtdirektor, der beim Zusammenwachsen der drei Städte Gladbach, Rheydt und Wickrath eng mit Meyers zusammengearbeitet hatte, stellte fest: „Die Reden fügten sich sehr gut zusammen. Ich empfinde fast alles, was gesagt wurde, als zutreffend.“ Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sprach voller Respekt, fast schon Bewunderung von Meyers, der das Land von 1958 bis 1966 führte. „Meyers war seiner Zeit voraus. Er hat das Land erneuert. Darin ist er uns ein Vorbild“, so Rüttgers. Seine Dynamik, die ihm den Spitznamen „der fixe Franz“ einbrachte, sei stets verbunden gewesen mit Herzenswärme. Dabei sei er als typischer Rheinländer immer offen für unkonventionelle Lösungen gewesen. Meyers sei so populär gewesen, weil er ein menschlicher Politiker gewesen sei. „Er war selbstbewusst und eigenständig. Ein Mann mit Ecken und Kanten“, so Rüttgers.
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings erinnerte an Meyers enge Verbindung zu Konrad Adenauer, für den er den vielleicht erfolgreichsten Wahlslogan in der bundesrepublikanischen Geschichte erdachte: „Keine Experimente.“ Zeitweilig wurde Meyers gar als Adenauers potenzieller Nachfolger gehandelt. Der Landtagsabgeordnete Michael Schroeren zeichnete nach, wie Meyers kommunale Rechte stärkte und bei der kommunalen Gebietsreform 1975 eine zentrale Rolle spielte. Bernhard Worms, persönlicher Referent von Meyers zu dessen Zeit als Ministerpräsident, ließ ihn mit vielen Anekdoten und Bonmots lebendig werden.
So definierte Meyers Selbstverwaltung als „die Freiheit auf eigene Kosten jede Dummheit beschließen zu können“. Worms Schlaglichter auf Meyers Arbeitsstil, seine Marotten und Liebenswürdigkeiten, machten anschaulich, was Norbert Post und Norbert Bude in ihren Grußworten meinten. „Er war einer von uns“, sagte Post. Bude sprach vom menschlichen Macher, der Mönchengladbach gut tat und von dem heute noch viele mit einem typisch niederrheinischen Lächeln sprächen.
Dass Post gerne einer der Nachfolger von Meyers, der für einige Monate Oberbürgermeister der Stadt war, werden würde, thematisierte der Landtagsabgeordnete mit Selbstironie. Von Meyers ist der Ausspruch als Abiturient überliefert, er wolle rheinischer Oberbürgermeister werden. Dass sei, so Post, „ein Wunsch für den ich großes Verständnis habe“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






