Mönchengladbach: Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010Mönchengladbach (RPO). Als die Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 nach Auschwitz kamen, waren es noch 7500 völlig entkräftete Gefangene, die sie im Todeslager vorfanden. Alle anderen – Männer, Frauen und Kinder – hatten die Nationalsozialisten im letzten Moment verschleppt, die Krematorien abgebrannt und Akten vernichtet, um möglichst wenige Spuren ihrer ungeheuerlichen Taten zu hinterlassen.
Die 7500 kranken und alten Lagerinsassen, die letztlich befreit wurden, hatten nur überlebt, weil die Rote Armee so schnell kam und es den SS-Schergen nicht mehr gelungen war, sie zu ermorden. "Damals gingen unvorstellbare Bilder um die Welt", sagte gestern Oberbürgermeister Norbert Bude. Er sprach auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Norbert Bude erinnerte im Ida-Lucas-Saal der Jüdischen Gemeinde an der Albertusstraße an die sechs Millionen Juden, die ihr Leben verloren, und rief dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. "Glücklicherweise gibt es in unserer Stadt ein Bündnis von aufrechten Bürgern, die die Erinnerungen wach halten und geschlossen gegen Rechts auftreten", sagte der Oberbürgermeister. Das gemeinsame Bemühen um ein friedliches Miteinander sei die wichtigste Mahnung des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus.
Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Leah Floh, machte deutlich: "In jeder jüdischen Familie fehlen Angehörige – Vater, Mutter, Großvater, Großmutter, Tante, Onkel." Auch deshalb sei das jährliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch nicht wirklich ein Tag der Freude, sondern ein Mahn- und Gedenktag. Auch Leah Floh rief dazu auf, wachsam zu sein und zu bleiben. "Wegsehen ist im Augenblick einfacher und womöglich sicherer – das galt früher, und das gilt auch heute." Richtig werde es dadurch nicht.
65 Jahre nach der Befreiung der Gefangenen aus den Konzentratonslagern sei sie zutiefst erschrocken, dass viele Deutsche mit dem Begriff Auschwitz nichts mehr anzufangen wüssten. "Sie können nicht erklären, was dort geschehen ist – und warum." Eine aktuelle Untersuchung des "Stern" habe ergeben, dass jeder fünfte Deutsche latent antisemitisch sei. "Wir dürfen Geschichte nicht verdrängen oder gar auslöschen", sagte Oberbürgermeister Bude. "Wir müssen uns der Verantwortung stellen."
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