Mönchengladbach: Gedicht auf Platt aus den USA
VON STEPHAN BECKERS - zuletzt aktualisiert: 24.07.2007 - 10:48Mönchengladbach (RPO). Platt ist eine aussterbende Sprache - sagen die Experten. Vielleicht müssten die gelehrten Damen und Herren ihr Urteil revidieren, würden sie nur einen Blick in den prall gefüllten Ordner mit Leserzuschriften zu diesem Thema werfen.
So erinnert sich Hanne Goga gern daran, wie früher „de ahl Lüüt ne Verzell op Platt dinge“. Ihr Lieblingswort: „Jötschklomp“. Dabei handele es sich um einen Eimer an einer langen Stange zum Entleeren von Plumpsklos, so Hanne Goga. Auf diesen guten alten Jaucheeimer weist auch Peter Paul Schautes hin.
Sogar in Schleswig-Holstein wird unser Platt gesprochen. Dort lebt seit 50 Jahren Käthe Quacks Schwester. „Jeden Sonntag telefonieren wir und sprechen dabei Platt“, berichtet die Jüchenerin. „Das sind für meine Schwester Heimatklänge.“ Wer denkt, dass Schleswig-Holstein eine ziemlich große Entfernung für unsere heimatliche Mundart ist, der dürfte jetzt aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Denn folgendes Gedicht erreichte uns aus den USA: „Os Jupp, os Erns on ose Äu, dat wore rouh Trabante, die spronge över Dösch on Bänk, dur Eätse on dur Plante...“ Dies ist die erste Strophe eines Gedichts des Rheydter Rektors Johannes Heck, das Eric Bürgers an RP-Leser Hans Jansen schickte. Bürgers, Sohn Bonnenbroicher Auswanderer und Lehrer in Poughkeepsie/New York, stieß im Internet auf Jansens Mundartseite (www.hansjansen.privat.t-online.de). „Ich hoffe, diese Zeilen erfreuen Sie so, wie mich Ihre Internetseiten erfreut haben“, schreibt Bürgers.
Erfreut zeigt sich auch RP-Leser Ralf Schmitz. „Esch meut ösch e paar Wöet dotzo donn“, schreibt er und bietet jede Menge Kulinarisches: Koschebter (Stachelbeeren), Himkess (Himbeere), Pijetsche (Pfirsiche), Kook (Kuchen) und Taat. Und bei so viel Essen darf natürlich auch das Schöddelsplack (Spültuch) nicht fehlen. Wie sich Goethe auf Platt liest, zeigt uns Hansjosef Teerhag. „Ech ging em Brook so Voot vüür Voot, öm nix te sööke looch mech em Bloot...“ Richtig, das ist das Gedicht „Gefunden“. „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn...“
Unser Ausflug in die Welt der heimischen Mundart endet in Korschenbroich. Dort widerspricht Helga Schellkes den Grabreden auf unser Platt. „Platt ist in“, sagt sie und verweist auf ausverkaufte Aufführungen der „Krawallschachteln“ in der Aula. Kettestruck (Löwenzahn) und Segoos (Ameise) - Platt ist „herzerfrischend“, findet Helga Schellkes.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






