Mönchengladbach: Gefährliche Wespen-Invasion
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 21.08.2009Mönchengladbach (RPO). Sie sind aggressiver denn je und haben sich millionenfach vermehrt: die Wespen. In Krankenhäusern füllen sie die Notaufnahmen, in Biergärten vertreiben sie die Gäste und die Schädlingsbekämpfer sind permanent im Einsatz.
Sie fliegen auf Obstkuchen und frische Grillwürstchen. Düsen im Sauseschritt um die Köpfe aller Menschen herum. Und diesmal sind sie zu gefühlten Millionen da: die Wespen. Zudem sind sie wahnsinnig aggressiv. Diese Aggressivität hat auch ein 3-jähriger Junge zu spüren bekommen.
Montag attackierte ihn eins der schwarz-gelben Biester, stach ihm direkt in die Augenbraue. Sein Gesicht schwoll so stark an, dass seine Mutter Panik um sein Augenlicht bekam. Noch heute liegt der Kleine in der Kinderklinik des Elisabethkrankenhauses, wird mit Kortison und Antibiotikum versorgt.
Nester hinter dem Klinkerwerk
"Ihm wird es bald wieder besser gehen, die Schwellung nimmt ab", sagt Professor Dr. Wolfgang Kölfen, Leiter der Kinderklinik. Er hat diesen Sommer viel mit Wespenstichen zu tun. "Es sind auffällig viele Fälle", erzählt er. Günter Bovelett von der Schädlingsbekämpfungsfirma "Leeser&Will" weiß: 2009 ist ein Wespenjahr.
Wespen-Allergie
2,5 Millionen Deutsche reagieren allergisch auf Wespenstiche
Symptome Rötungen, Schwellungen, Atembeschwerden, Kreislaufprobleme, Blutvergiftung, Herzstillstand
Hyposensiblisierung Etwa drei bis fünf Jahre wird das Gift der Wespe gespritzt. Die Behandlung bewirkt, dass der Mensch sich an die Allergene gewöhnt
Notfall Allergiker sollten ein Notfallset mit Medikamenten, das der Arzt verschreibt, bei sich tragen
Seit Mai klingelt bis zu 30 Mal am Tag bei der Firma das Telefon. Besorgte Bürger berichten von Wespennestern, die sich auf ihren Grundstücken, gar direkt am Haus befinden. "Oft nisten sie sich ganz versteckt ein. Direkt hinter dem Klinkerwerk der Häuser", sagt Bovelett.
Doch woher kommen nur all die Wespen? Hiltrud Müller von der Unteren Landschaftsbehörde hat eine Antwort darauf: "Das Frühjahr war mild, in Gladbach hatten wir wenige Kälteeinbrüche, das hat den Wespen einen guten Start ermöglicht, sich zu vermehren." Und die Expertin ist sich sicher: "Aufgrund der Klimaerwärmung können es immer mehr werden."
Michael Stapper, Inhaber des St. Viths, reicht es jetzt schon. Er stöhnt, wenn er nur von den Insekten hört. "Sie sind extrem schlimm", sagt er und erzählt, dass seine Gäste bei dem schönen Wetter der vergangenen Tagen sogar den Biergarten zum Essen gemieden haben.
Jeden Tag stellt er draußen acht Berliner-Weiße-Gläser mit seiner speziellen Rezeptur auf, um den Wespen den Garaus zu machen. Darin: ein Schluck Cola mit einem Schuss Pils. So süffig, dass die Wespen in der süßen Brause ertrinken. "An einem Abend schwimmen in einem Glas bestimmt 30 tote Wespen", sagt er.
Hausmittelchen wie eine Scheibe Zitrone oder eine rohe Zwiebel können auch bei Stichen helfen. Doch Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund warnt: "Bei dicken Schwellungen muss sofort der Hausarzt aufgesucht werden." Denn Wespenstiche können bei Allergikern tödlich enden. Jährlich sterben etwa 25 Deutsche an den Folgen eines Stiches.
Bald aber werden wir wieder unseren Frieden haben. Denn bei den Plagegeistern handelt es sich nur noch um die arbeitslosen Arbeiterinnen des Wespenvolks. "Bei fünf bis sechs Grad sterben sie", sagt Hiltrud Müller. Und diese Temperaturen gibt es erfahrungsgemäß wieder in den Nächten Ende September.
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