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Geistenbeck: Geistenbecks Patrioten

VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 28.02.2009

Geistenbeck (RPO). Warum darf Geistenbeck keine Ortseingangsschilder haben? Dieser Frage geht der Bürgerverein neben seinen vielen anderen Tätigkeiten jetzt nach, nachdem - ohne sein Zutun - ein 34 Jahre andauerndes Martyrium überwunden ist: Die Trennung der Honschaft.

Stolzes Geistenbeck: Am Marktplatz schauen sich Stephan Breuer, Egon Krieger, Theo Dederichs, Ilona Mörs und Jürgen Runkehl die Skulptur "Der Andere" an.  Foto: RPO
Stolzes Geistenbeck: Am Marktplatz schauen sich Stephan Breuer, Egon Krieger, Theo Dederichs, Ilona Mörs und Jürgen Runkehl die Skulptur "Der Andere" an. Foto: RPO

Sie haben gelitten, jahrelang. Sie waren getrennt durch eine Grenze, und Schuld war nur die Politik. 34 Jahre lang hatte es Geistenbeck nicht leicht. Man könnte sagen, ein seidener Vorhang lag zwischen Stapper Weg 313 und 316.

Gut, die Familien konnten sich schon gegenseitig besuchen. Und Hilfspakete mussten auch nicht verschickt werden. Aber: Als Gladbach und Rheydt 1975 zu Mönchengladbach zusammengelegt wurden, da wurde Geistenbeck getrennt. Der südliche Teil gehörte zum Bezirk Odenkirchen, der nördliche zu Rheydt-Mitte. Geistenbeck, diese Honschaft mit jahrhunderte-langer Geschichte, war entzweit, zumindest politisch.

Die Geistenbecker wünschen sich ein Ortseingangsschild, hier Ratsherr Erwin Rüttgers. Foto: RPO

"Man kann sich gar nicht vorstellen, wie kompliziert es war, wenn Vereine sich an einen Bezirksvorsteher wenden wollten", seufzt Egon Krieger, Vorsitzender des Bürgervereins Geistenbeck. Es kam eben ganz darauf an: Lag der Verein nun in Odenkirchen oder in Rheydt? Oder in beiden? Vielleicht auch deshalb verspürten Krieger und seine Freunde vom Bürgerverein reichlich Genugtuung, als im vergangenen Sommer der Ratsbeschluss fiel, man möge die Stadtbezirke reduzieren. Geistenbeck liegt jetzt im Bezirk Süd, es wächst quasi zusammen, was zusammengehört.

Zwischen Odenkirchen und Rheydt – genau das ist Geistenbeck. Und da kommt es auch her. Als "Section E" ist Geistenbeck auf alten Landkarten der Gemarkung Odenkirchen eingezeichnet. Jürgen Runkehl vom Bürgerverein hat etliche solcher alter Karten im Schrank in seinem Büro. Der Name – eigentlich klingt er ja ganz nett – ist hingegen wenig erbaulich. Er steht ursprünglich für hochgelegenes, trockenes, unfruchtbares Gelände, durch den auch noch ein Bach (Beeck) fließt. Nass und doch unfruchtbar – das muss Geistenbeck erst einmal jemand nachmachen.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen. Foto: RPO

Genau 4399 Menschen leben nach Auskunft der Stadt im Stadtteil Geistenbeck, der aus den Honschaften Geistenbeck, Kohr, Reststrauch und Stappe besteht. Und mindestens genauso viele fühlen sich dort wohl, hofft Egon Krieger. "Wir versuchen alles, um das Leben attraktiv zu machen", sagt er. Dazu gehört auch ein Ortsführer für die Neubürger. Der Bürgerverein etwa veranstaltet jedes Jahr sein Weihnachtsbaumsingen mit der Gemeinschaftsgrundschule Steinsstraße, einmal im Jahr gibt es das Seniorenfest, bei dem die 110 Karten binnen kurzer Zeit vergriffen sind.

"Wir haben eben nur kleine Räume", sagt Jürgen Runkehl vom Bürgerverein. Es gibt einen Fußball- und einen Handballverein. Ja selbst die beiden Kirchen, die St. Josefs Kirche und die evangelische Kirche Geistenbeck liegen friedlich direkt nebeneinander. "Und sie sind architektonisch gesehen ja auch eine Augenweide", weiß Egon Krieger. Und bald beginnt auch die Baustelle für den mittleren Ring, dann könnte der doch ziemlich rege Durchgangsverkehr an der Steinsstraße beruhigt werden.

Eigentlich könnten die Geistenbecker jetzt also ziemlich zufrieden sein. Doch sie sind es noch nicht ganz. "Sie fahren von Rheydt nach Odenkirchen und der Name Geistenbeck ist nicht aufgefallen", klagt Egon Krieger. Das wiedervereinigte Geistenbeck wünscht sich Ortseingangsschilder. Das nennt man Lokalpatriotismus – Heimatstolz.

www.geistenbeck.de

Quelle: RP

 
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