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Mönchengladbach: Gestatten, Sven Mühlen, Detektiv

VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 25.01.2011

Mönchengladbach (RPO). Vom Studentenjob zur eigenen Firma: Der 24-jährige Sven Mühlen ist Kaufhausdetektiv und Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma. Sein Talent: genau beobachten. Erst wenn er sich zu 100 Prozent sicher ist, enttarnt er die Ladendiebe. Seine Erlebnisse will er irgendwann niederschreiben.

Wenn Sven Mühlen seine Schicht beginnt, dann trägt er die unauffälligste Kleidung, die er am Morgen in seinem Kleiderschrank entdecken konnte. Einen grauen Pulli oder eine alte Jeans zum Beispiel. Der 24-Jährige ist Kaufhausdetektiv – und eine Uniform oder ein dunkelblauer Anzug wären in diesem Job verräterisch. "Das Wichtigste ist, inkognito zu bleiben und Menschen genau zu beobachten", sagt er. "Jagdinstinkt" nennt das der Profi, der seit vier Jahren "auf der Fläche" arbeitet. Anders war das bei seinen ersten Einsätzen im Kaufhaus. Als Politik-, Philosophie- und Germanistikstudent jobbte er als "Doorman". "Als Türsteher ist man der Abschrecker, als Kaufhausdetektiv wird das Gegenteil verlangt."

Mit Klischees räumt der junge Kaufhausdetektiv schnell auf: "Der Job ist nicht so spektakulär, wie man ihn sich gerne vorstellt." Seine Rolle habe mit dem amerikanischen Kaufhaus-Cop, der auf einem Segway durch das Warenhaus düst und Jagd auf Diebe macht, nur wenig zu tun. "Auch Handschellen dürfen wir nicht benutzen", sagt Mühlen, der eine Prüfung bei der IHK zur Bewachungskraft im Einzelhandel abgelegt hat. Doch manchmal, da gibt es sie doch, die aufregenden, die traurigen und die lustigen Momente. Und an die erinnert sich ein Kaufhausdetektiv ein Leben lang: Da war zum Beispiel dieser Dieb, der sich nicht belehren lassen wollte, sondern vor dem Detektiv flüchtete. Doch er kam nicht weit: "Als er sich nach seinen Verfolgern umschaute, lief er gegen eine Laterne und ging k.o.", erzählt Mühlen und muss dabei immer noch lachen.

Er selbst habe sich an seinem ersten Tag als Kaufhausdetektiv vorgestellt, dass viel häufiger solche Szenarien passieren könnten. "Ich war total übermotiviert. Doch ich wurde schnell auf den Boden der Tatsachen geholt." Zu 99 Prozent sei sein Job Routine: herumgehen, beobachten, Sinne schärfen. Erst wenn er sich zu 100 Prozent sicher ist, dann sagt er diesen Satz: "Schönen Guten Tag, Mühlen ist mein Name von der Warensicherheit." Parallel dazu zückt der Mönchengladbacher seinen Ausweis. Meistens, sagt Mühlen, wissen die "Kunden" dann schon Bescheid und folgen ihm ins Büro. Für den Kaufhausdetektiv endet dort seine Aufgabe – was mit den Ertappten passiert, entscheidet die Geschäftsführung. "Die Polizei wird sofort verständigt, wenn sich derjenige weigert, mitzukommen", erklärt Mühlen.

Eindeutige Zeichen

Ob jemand verdächtig ist, weiß der Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma in der Regel ziemlich schnell: "Wenn sich jemand ständig umschaut und unkoordiniert durch das Haus läuft, sind das eindeutige Zeichen – der Rest ist Erfahrung." So wie bei seinem ersten Dieb: Damals war sein Revier die Parfümabteilung eines großen Gladbacher Kaufhauses. Ein älterer Herr schaute sich in aller Ruhe um und verschwand dann mit einem Parfüm in der Taschenabteilung. Mühlen verfolgte die Spur – und beobachtete, wie der Mann die Verpackung in einer Handtasche verschwinden ließ und den Flakon einsteckte.

Unter den Dieben seien häufig Wiederholungstäter: "Die Beschaffungskriminalität in Mönchengladbach ist hoch", sagt Mühlen. Doch unter den Ladendieben seien auch solche, die wirklich bedürftig seien, die aus wirtschaftlichen Gründen stehlen. Eine Oma, die eine Tafel Schokolade klaut, eine Mutter, die Kleidung für ihre Kinder mitgehen lässt. "Das tut einem schon manchmal leid", sagt er. Dann lädt er den ein oder anderen auch mal zu Brötchen und Kaffee ein. Kein Mitleid hat er hingegen mit Banden: "Sie stehlen im großen Stil Elektroartikel, Parfüm oder Sportartikel", erklärt Mühlen. Da entwickele er und seine Kollegen einen Wettbewerb, die Männer mit ihren "Klautüten" aufzuspüren. "Jeder, der den Job macht hat den Ehrgeiz, so viele wie möglich zu schnappen."

Aufregend wurde es zum Beispiel bei einem pfiffigen und vor allem sportlichen Ladendieb: "Von der unteren Hindenburgsstraße bis hinters Münster habe ich ihn verfolgt." Dann ging dem Dieb die Puste aus. "Kurz bevor ich selbst auch nicht mehr gekonnt hätte" – und so erwischte er den Dieb, der im großen Stil Fußballtrikots der Borussia gestohlen hatte. "Immerhin war es der richtige Verein." Ohne Humor geht es auch in diesem Job nicht.

Quelle: RP

 
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