Mönchengladbach: Gewerbegebiet Trabrennbahn: Umweltschutz im Fokus
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012Mönchengladbach (RP). Verwaltungsdeutsch kann wirklich lustig sein – das ist bekannt. Verwaltungsmathematik aber auch.
Ein "ökologisches Defizit" von 243.580 Wertpunkten gelte es auszugleichen, sollte die Trabrennbahn an der Niersbrücke tatsächlich in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden, hieß es jetzt in der Bezirksvertretung Ost. Kurz vor Weihnachten wurde das Aachener Büro 3D Architekten und Stadtplaner damit beauftragt, einen Bebauungsplan für Deutschlands älteste Trabrennbahn aufzustellen und die Änderung des Flächennutzungsplans vorzubereiten. Wie die Verwaltung nun mitteilte, müssen die Aachener dabei gesteigerte Aufmerksamkeit auf den Umweltschutz legen.
Zum einen ist mittlerweile klar, dass sich auf dem 140.000 Quadratmeter großen Areal drei Altlasten-Standorte befinden. So ist der Oberboden auf dem Gelände selber belastet, ebenso eine Schutthalde im Nordosten, im Nordwesten gibt es einen Bereich mit Ölschaden. Zudem wird eine vertiefende Artenkartierung gefordert werden.
Im Nordwesten des Bereichs wurden Nester der besonders geschützten Rauchschwalbe gefunden, zudem gibt es Hinweise auf das Vorkommen von Mäusebussarden und Fledermäusen. Saatkrähen habe man, anders als ursprünglich angenommen, hingegen nicht gefunden. Trotzdem ergibt sich alles in allem das besagte "ökologische Defizit", das derjenige, der den Eingriff ins Gelände vornimmt, ausgleichen müsste. Entweder in Form von Ausgleichsflächen (60.895 Quadratmeter) oder finanziell (791.635 Euro).
Das größte Problem bei der Erstellung eines Bebauungsplans, wie auch im Falle einer möglichen späteren Nutzung, dürfte jedoch der Grundwasserstand sein, der der höchste der ganzen Stadt ist. Bereits ein Meter unter der Oberfläche beginnt das Grundwasser, bei Regen bietet der Boden entsprechend wenig Speicherkapazität; dasselbe gilt für die Niers, die an dieser Stelle immer wieder über die Ufer tritt. Mögliche Abhilfe könnten zusätzliche (und extrem teure) Regenrückhaltebecken schaffen. Alternativ könnte der Boden aufgeschüttet werden – um mindestens einen Meter, wie Planungsdezernent Andreas Wurff kürzlich sagte.
Zu jedem Quartal kündbar
Die Ansiedlung von "flughafen-affinem" Gewerbe schwebt der Stadt vor – ein Prestigeprojekt der Ampel-Koalition. Auf "klare Konturen und keinen Gemischtwarenladen" pocht – in Person von Hans-Peter Schlegelmilch (CDU) – aber auch die Opposition.
Zwar hat die Entwicklungsgesellschaft EWMG den Vertrag mit dem Rennbahn-Betreiber, dem Verein zur Förderung des Rheinischen Trabrennsportes, kürzlich um fünf Jahre verlängert, er ist jedoch zu jedem Quartal kündbar. Pacht an die Stadt fließt schon lange nicht mehr. Nicht nur deswegen heißt es, dass aus "wirtschaftlichen Gründen" nicht länger an einer Nutzung des Geländes als Trabrennbahn festgehalten werden soll.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







