Mönchengladbach: Gewinner und Verlierer des Winters
VON RITA ROMMERSKIRCHEN UND JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Mönchengladbach (RPO). Schnee und Eis hatten Gladbach in den vergangenen Wochen und Monaten fest im Griff. Vielerorts hat der Winter seine Spuren hinterlassen. Auch wenn Autofahrer, GEM und Briefträger die weiße Pracht am Ende ziemlich satt hatten – es gab auch Menschen, die davon profitierten.
Unter insgesamt 21,6 Milliarden Tonnen Schnee lag Deutschland in den vergangenen Wochen zeitweise begraben, in manchen Regionen herrscht immer noch Land unter. In Wasser umgerechnet, könnte man mit diesen Mengen laut Deutschem Wetterdienst den halben Bodensee füllen. Auch in Gladbach hat der ungewöhnlich harte Winter deutliche Spuren hinterlassen – nicht nur in Form von Hunderten Schlaglöchern. Die Rheinische Post zieht Bilanz, auf wen die Eiszeit Auswirkungen hatte – und wen sie kaltgelassen hat.
Energieanbieter Zwar haben die Menschen wegen der anhaltenden Kälte viel geheizt – "die wirtschaftliche Gesamtsituation hat das aber wieder ausgeglichen", sagt NVV-Sprecher Helmut Marmann. Zudem sei zwar beispielsweise der Januar im Vergleich mit dem so genannten Normaljahr um 15 Prozent kälter gewesen, andererseits aber etwa der November um zehn Prozent wärmer. Die NVV habe also nicht wesentlich mehr Gas abgesetzt als üblich.
Räumdienste Die GEM musste für ihr winterliches Krisenmanagement einiges an Kritik einstecken. Sprecherin Jutta Schmitz vermag deswegen nicht zu bewerten, ob man sich eher zu den Gewinnern oder den Verlierern des Winters zählen sollte. Klar ist jedoch: Während andernorts, etwa in Ostwestfalen, die Streudienste vor Schnee und Eis kapitulieren mussten, war dies in Gladbach nicht der Fall. Ebenso wurde das Streusalz zwar immer knapper, ging aber nie ganz aus. Insofern dürfte die GEM insgesamt eher zufrieden sein, dass sie über die Runden gekommen ist.
Autofahrer Es klingt zunächst paradox – doch laut der neuen Verkehrsunfallstatistik brachte der verschneite Januar 30 Prozent weniger Verletzte und acht Prozent weniger als der Januar 2009. Grund: Gerade wegen Schnee und Eis sind die Menschen vorsichtiger gefahren. Dennoch waren die Rutschpartien für viele Verkehrsteilnehmer kreuzgefährlich. Alleine am letzten Januarwochenende ereigneten sich 102 witterungsbedingte Unfälle. Am Wochenende vor Karneval kam selbst ein NVV-Bus bei Glatteis von der Straße ab und landete in der Wand eines Wohnhauses.
Autowerkstätten In Norddeutschland kommen Kfz-Mechaniker derzeit kaum damit hinterher, Blechschäden zu reparieren. In den Gladbacher Werkstätten herrschte in den vergangenen Wochen hingegen kaum mehr Betrieb als üblich. "Das sind die ganz normalen Schäden, mit denen Kunden zu uns kommen. Mal ist der Stoßdämpfer kaputt, mal der Kühler. Aber besonders viele Schäden hat es in diesem Jahr nicht gegeben", so Rolf Strucks, Geschäftsführer bei 1a Autoservice Klöckner & Strucks. Hochbetrieb herrschte hingegen in den Autowaschanlagen.
Post Seit Dezember waren die Briefträger Schnee und Eis en masse ausgesetzt, doch es gab nur wenige Probleme bei der Zustellung. "Unsere Mitarbeiter mussten zwar an die Grenze ihrer Belastbarkeit gehen, aber Spezial-Arbeitskleidung und meist gut geräumte Wege haben ihnen durch den Winter geholfen", sagt Post-Sprecher Achim Gahr. "Die Post wurde überall zugestellt, wo es möglich war."
Schüler Als der Winter am heftigsten war, stand es Eltern frei, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken wollen oder nicht. Nicht wenige machten davon Gebrauch – auch wenn es offiziell kein "Schneefrei" gab. Überhaupt Kinder: Sie zählten eindeutig zu den Gewinnern des Winters. Derart reichhaltige Gelegenheiten zum Schlittenfahren und Rodeln gab es zuletzt selten.
Streusalz Als das Streugut knapp wurde, konnte der ein oder andere findige Unternehmer dem allgemeinen Salz-Mangel trotzen: In der Sonderpostenhalle "Bananos" in Dorthausen etwa gab es deshalb einen regelrechten Ansturm. "Wir haben das Salz in den Niederlanden gekauft und konnten es hier anbieten, als es bei allen anderen schon ausverkauft war", freut sich Geschäftsführer Peter Karfzyk.
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