Mönchengladbach: Gibt Schlafhorst Gladbach auf?
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008Mönchengladbach (RPO). Für den traditionsreichen Textilmaschinenbauer sieht es düster aus: Das Werk soll drastisch verkleinert werden, die Produktion wird verlagert. 747 Mitarbeiter sind von den Veränderungen betroffen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in Mönchengladbach bei Oerlikon Schlafhorst keine Textilmaschinen mehr produziert werden. Wenn die Produktgeneration Autocoro ausläuft, werden die Maschinen still stehen. Die Fertigung wird von den Standorten Gladbach und Ebersbach nach Übach-Pallenberg verlagert. Betroffen sind von den Einschnitten aber nicht nur Mitarbeiter der Produktion, sondern alle Bereiche des Unternehmens. Das teilte Oerlikon Schlafhorst gestern auf Nachfrage der RP mit.
„Es sieht schlecht aus für den Standort. Ich sehe keine Perspektive für das Werk“, sagt Reimund Strauß, Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall). Bis 2010 sollen an allen drei Standorten bis zu 240 Arbeitsplätze abgebaut werden, meldet der Schweizer Anlagenbauer. Gestern gab es ein Krisengespräch mit Gewerkschaft und Betriebsrat, heute soll die Belegschaft von der Geschäftsführung informiert werden.
Die Branche
Trützschler hat ebenfalls Stellen abgebaut. Seit August arbeitet rund die Hälfte der 700 Beschäftigten in Kurzarbeit, 80 Stellen wurden in den vergangenen zwei Jahren eingespart. Nun will Trützschler zusätzlich 90 Arbeitsplätze streichen.
Moenus meldete im Juli 2007 Insolvenz an. 160 Mitarbeiter waren von der Schließung des Textilmaschinenbauers betroffen.
Seit Jahren Stellenabbau
Der Grund für die Umstrukturierung sei der Zusammenbruch des Textilmaschinen-Marktes. „Die Bankenkrise hat die Lage noch erschwert“, sagt André Wissenberg, Pressesprecher von Oerlikon Schlafhorst. „Das ist keine hausgemachte Krise. Der gesamte Textilmaschinenmarkt liegt am Boden“, bestätigt der Gewerkschafter Strauß.
„Die Lage ist dramatisch“, schildert ein Insider. Wann die Entlassungen genau anstehen, und wie viele Mönchengladbacher Mitarbeiter gehen müssen, wollte das Unternehmen gestern nicht sagen. Unklar ist auch, ob der Stellenabbau nach 2010 weitergeht. „Der Standort Mönchengladbach wird nicht verschwinden“, sagt André Wissenberg. Allerdings fürchten Betroffene, dass höchstens unwichtige Bereiche mit wenigen Mitarbeitern erhalten bleiben könnten.
Oberbürgermeister Norbert Bude kannte gestern noch keine Details, bedauerte aber die Entwicklung des Traditionsunternehmens. Positiv sei, dass das Unternehmen mit dem Schlafhorst-Businesspark für die Weiterentwicklung des Standortes gesorgt hat. „Die Frage ist, ob das Unternehmen weiter die Verantwortung für den Standort tragen wird“, sagt Bude.
Die jüngste Entwicklung kündigte sich bereits durch einen massiven Stellenabbau an: Ende August kündigte Oerlikon, der die Schlafhorst-Gruppe 2006 gekauft hatte, an, 1000 Arbeitsplätze hauptsächlich in Deutschland zu streichen. Kurz zuvor wurde bekannt, dass in Mönchengladbach 99 der 745 Arbeitsstellen abgebaut werden. Das entspricht mehr als einem Drittel der Stellen in der Produktion, hatte damals der Betriebsrat erklärt. Insgesamt hat das Unternehmen damit in den vergangenen fünf Jahren bereits mehr als 730 Stellen abgebaut.
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