Mönchengladbach: Giesenkirchen 2015 - eine Chance?
VON RALF JÜNGERMANN, DIETER WEBER UND OTTO E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 02.08.2008 - 00:01Mönchengladbach (RPO). Ein neues Wohngebiet für rund 70 Häuser, ein 2,7 Millionen Euro teurer Sportpark und zahlreiche Neubürger: Das verspricht das Projekt „Giesenkirchen 2015”. Gestern war die Rheinische Post mit der „Mobilen Redaktion” auf der Anlage Puffkohlen. Rund 150 Bürger stellten Fragen.
Das Projekt sorgt in Giesenkirchen für viel Gesprächsstoff: „Giesenkirchen 2015”. Dieses Vorhaben sieht vor, die Bezirkssportanlage Puffkohlen und den Sportplatz Asternweg aufzugeben, daraus Wohngebiete zu machen und zwei neue Sportplätze auf dem Gelände des ehemaligen Freibades an der Trimpelshütter Straße zu bauen. Bei einer „Mobilen Redaktion” der Rheinischen Post diskutierten zeitweise mehr als 150 Bürger mit Bezirksvorsteher Frank Boss (CDU), dem für Sport zuständigen städtischen Beigeordneten Dr.\x0eGert Fischer, Kreisbau-Geschäftsführer Jürgen Meisen und den Vereinsvertretern Siegfried Moossen (DJK Giesenkirchen) und Günter Mösges (SV Schelsen). Das wollten die Bürger wissen:
Wie notwendig ist eine Sanierung der Bezirkssportanlage Puffkohlen?
Dringender Sanierungsbedarf besteht nicht. Bei der Bewertung der 35 Sportanlagen in der Stadt liegt die Anlage Puffkohlen bei der Dringlichkeit irgendwo in der Mitte. Ganz oben steht der Sportplatz Asternweg. Der ist für den Vereinssport allerdings zeitlich nur sehr beschränkt nutzbar, weil es Vereinbarungen mit den Nachbarn gibt. Wie teuer würde eine Sanierung der bestehenden Spielfelder? 100\x0e000 Euro für den Sportplatz Asternweg, je 85\x0e000 Euro für die beiden Sportplätze Puffkohlen diese Kosten fallen allerdings zweimal an. Insgesamt rund 440\x0e000 Euro. Baute man die beiden Spielfelder in Kunststoff-Spielfelder um, wären es rund 900\x0e000 Euro. Nicht saniert wäre dann die 400-Meter-Laufbahn. Weitere Kosten entstünden außerdem, wenn das Freibadgelände renaturiert würde.
Wann würde die Anlage Puffkohlen dann saniert?
Vermutlich in den nächsten 15 Jahren nicht. Der Vorteil von „Giesenkirchen 2015” ist, dass mit dem Verkauf der Anlage Puffkohlen und der Umwandlung in ein Wohngebiet Geld in die Kasse kommt und aus den so erzielten Einnahmen neue Sportplätze finanziert werden können. Dies sei, so Sportdezernent Fischer, eine einmalige Chance für Giesenkirchen.
Wie sieht das Finanzierungsmodell von „Giesenkirchen 2015” aus?
Die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG), die für die Stadt Grundstücke vermarktet, verkauft an die Giesenkirchener Kreisbau. Diese finanziert den Sportstättenbau vor und muss dafür rund 2,7 Millionen Euro aufbringen, die sie dann mit späteren Erlösen aus dem Verkauf der Häuser verrechnet. Experten behaupten, dass für die Stadt außerdem bis zu einer Million Euro an Einnahmen bleibt.
Kann die Stadt ein neues Wohngebiet in Giesenkirchen verkraften?
Ja, meint Kreisbau-Geschäftsführer Jürgen Meisen. Er befürchtet, dass sonst die Nachbarkommunen Korschenbroich, Jüchen, Erkelenz und Viersen das Rennen um Neubürger machen, da sie verstärkt neue Baugebiete ausgewiesen haben.
Wann wären alle Häuser in einem Baugebiet Puffkohlen verkauft?
Das Konzept geht von 2015 aus, es kann aber auch bis zum Jahr 2025 dauern. Das richtet sich nach der Nachfrage. Giesenkirchen ist als Wohnstandort attraktiv: So hat man an der Konrad-Röpges-Straße innerhalb von dreieinhalb Jahren 58 Häuser verkauft und gebaut. Experten bewerten dieses Ergebnis als sehr positiv. Geplant sind im möglichen Wohngebiet Puffkohlen rund 70 Einfamilienhäuser und an den Ecken mehrgeschossige Häuser für bis zu acht Mietparteien.
Was entsteht auf dem Freibadgelände, wenn das Vorhaben umgesetzt wird?
Zwei neue Kunststoffrasen-Felder, Umkleidegebäude mit Sanitärräume, Parkplatz mit rund 100 Plätzen, 100-Meter-Tartanbahn, Weitsprunggrube und Kugelstoßring, multifunktionale Spielfläche etwa für Basketball und Volleyball, eine rund 300 Meter lange Finn-Laufbahn als Joggingstrecke und ein kleiner Spielplatz. Die Zufahrt erfolgt über den jetzt schon bestehenden Weg, der zur Fun-Arena führt. Die noch existierenden Gebäude des ehemaligen Freibades werden entkernt und so umgebaut, dass sie als Geräteräume dienen können. Eine Lärmschutzwand grenzt einen Sportplatz zur Trimpelshütter Straße hin ab, der andere wird durch die bestehenden Gebäude abgegrenzt.
Hat die Politik über das gesamte Projekt bereits entschieden?
Nein. Die Stadtverwaltung untersucht und gibt ihre Stellungnahme noch ab. Sie prüft, ob das Vorhaben wirtschaftlich und baulich verträglich ist. Am 28. August kommt das Projekt in die Sitzung der Bezirksvertretung Giesenkirchen. Dann folgen Sport-, Bau-, Haupt- und Finanzausschuss sowie der Rat. Alle Sitzungen sind öffentlich.
Was wollen SPD, Grüne und FWG?
Alle drei Parteien lehnen „Giesenkirchen 2015” ab. Die FWG will Puffkohlen so belassen wie es jetzt ist. Die SPD will ein Spielfeld in ein Kunststoff-Spielfeld umbauen und den Sportplatz Asternweg aufgeben. SPD, Grüne und FWG wollen das Freibadgelände renaturieren.
Was wird aus Turnhalle, Umkleidehaus und Jugendclubhaus auf der Anlage Puffkohlen?
Die Turnhalle bleibt und bekommt eine eigene Zufahrt. Das Jugendclubhaus soll zu einem Bürgerhaus werden, dessen Räume Vereine mieten können. Das Umkleidehaus verschwindet. Der Spielplatz auf dem Gelände Puffkohlen bleibt, wird erneuert und vergrößert.
Bringt eine neue Sportanlage den Schulen weitere Wege?
Den meisten nicht. Die Schulsportanlage am Asternweg soll auf jeden Fall saniert und für den Schulsport genutzt werden. Die Turnhalle bleibt auf der Anlage Puffkohlen. Neue Plätze auf dem Freibadgelände wären attraktiver.
Wie werden mögliche Häuser im Baugebiet Puffkohlen aussehen?
Sie werden sich an der Struktur orientieren, die bereits vorhanden ist. Das legt die Bauleitplanung fest.
Werden viele Bäume gefällt, wenn auf der Anlage Puffkohlen und auf dem Freibadgelände gebaut wird?
Der Bauherr ist angehalten, so viele Bäume wie möglich zu erhalten. Für jeden Baum, der gefällt wird, muss als Ausgleich ein Ersatzbaum gepflanzt werden.
Versiegeln Kunststoffrasen-Felder die Landschaft?
Nein, der Belag lässt das Wasser problemlos versickern.
Wie lange halten Kunststoffrasen-Felder?
Experten gehen von 15 bis 20 Jahren aus. Dann ist eine Oberflächensanierung notwendig, die aber nicht sehr aufwändig ist. Wie lange dauert es, bis neue Sportplätze auf dem Freibadgelände an der Trimpelhütter Straße fertig wären?
Die Bauzeit liegt bei einem Jahr. Würde 2009 mit dem Bau begonnen, wären die Sportplätze 2010 nutzbar.
Reicht das bestehende Kanalnetz, um das Wasser aus einem neuen Baugebiet Puffkohlen aufzunehmen?
Ja, nach Meinung von Experten. Der Regenwasser-Hauptsammler ist erst drei Jahre alt. Die neuen Bauherren müssen alle Möglichkeiten nutzen, Wasser und Energie zu sparen.
Welche Kosten kommen auf die Alt-Anlieger zu?
Erschließungsbeiträge haben die neuen Häuslebauer zu tragen. Wird während der Bauphase die Straße Puffkohlen beschädigt, muss der Bauträger die Sanierung übernehmen und diese Kosten tragen. Nach derzeitigem Verhandlungsstand wäre das die Kreisbau.
Sinkt der Wert der bestehenden Häuser, wenn in direkter Nachbarschaft neue entstehen?
Das verneinen Experten. Für einen bestimmten Käuferkreis sind neue Häuser attraktiver. Um ein neues Baugebiet entsteht in der Regel ein Gebraucht-Immobilienmarkt mit guten Absatzchancen.
Wie notwendig sind neue Sportplätze für die Vereine SV Schelsen und DJK Giesenkirchen?
Beide Vereine profitieren davon erheblich. Der SV Schelsen muss im Winter nicht mehr nach Rheydt ausweichen. Die Trainingsmöglichkeiten werden besser, es fallen auch bei schlechtem Wetter weniger Spiele aus, weil ein Kunststoff-Spielfeld stärker genutzt werden kann als ein Naturrasen-Feld. Die DJK Giesenkirchen hat bereits jetzt oft Probleme mit Anwohnern der Anlage Puffkohlen, die sich über Lärm, Parken und andere Belästigungen beschweren. Am Freibad gibt es diese Probleme kaum.
Was bringt „Giesenkirchen 2015” für den Stadtbezirk?
Nach Meinung der Experten zahlreiche Neubürger, die somit den Bestand von Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen sichern. Außerdem profitieren davon die Betriebe und der Einzelhandel.
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