Mönchengladbach: Gift-Spielplätze bleiben offen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.06.2008Mönchengladbach (RPO). Der Antrag der Grünen, alle bedenklichen Spiel- und Bolzplätze vorsorglich zu schließen, wurde abgelehnt. Umwelt- und Jugendhilfeausschuss sahen dazu keine Notwendigkeit. Das endgültige Gutachten lässt auf sich warten.
Die Giftliste
Liste Die Liste aller bedenklichen Spielplätze mit den bisherigen Ergebnissen findet man auf der Stadtseite im Internet unter www.moenchengladbach.de
Ausschüsse Der Umwelt- und der Jugendhilfeausschuss befassen sich erst in ihrer nächsten Sitzung im September erneut mit der Thematik
Mehr zum Thema unter www.rp-online.de/moenchengladbach
Zu vorgerückter Stunde schlug Friedhelm Stevens verbal auf den Tisch: „Ich unterbreche nur ungern diese hochwissenschaftliche Diskussion. Aber ich will jetzt und sofort eine klare Antwort auf eine einfache Frage: Gibt es Spielplätze, auf denen mein Kind nicht spielen darf?“ Der Vorsitzende des Umweltausschusses wollte damit nur das wissen, wonach Mönchengladbacher Eltern seit Wochen fragen. Von der Diplom-Biologin Petra Günther, die als Gutachterin des Instituts für Umwelt-Analyse Bielefeld in die Sondersitzung gekommen war, bekam er die Antwort: „Nach meinem Kenntnisstand nicht.“
Arsen und Cyanid
Auf Antrag der Grünen waren der Umwelt- und der Jugendhilfeausschuss kurz vor der Sommerpause zu einer Sondersitzung zusammen gekommen, um über das brisante Thema „Gift auf städtischen Spielplätzen“ zu beraten. Nachdem Mitte März auf dem Areal an der Luise-Vollmar-Straße eher zufällig Arsen und Blei gefunden worden waren, hatte sich die Stadt entschlossen, alle Bolz- und Spielplätze, die vor 1990 gebaut wurden (als das Bodenmaterial noch nicht zertifiziert wurde), zu untersuchen. Vor etwas mehr als einer Woche hatte es zwei weitere Spielplätze getroffen: Auf dem Spielplatz Am Tömp in Beckrath fand sich Arsen in hoher Konzentration, beim Spielplatz an der Süchtelner Straße gibt es im Boden Cyanid aus Altlasten, die möglicherweise hier abgelagert wurden. Beide Areale wurden umgehend gesperrt.
Warum wurde nur der Platz am Tömp geschlossen? Warum nicht auch die Spielplätze an der Gereonstraße und in Engelsholt? Immerhin liegen die Arsenwerte an beiden Stellen in etwa gleicher Höhe wie in Beckrath. Die Fragen kamen aus dem Ausschuss. Das habe etwas mit der Zugänglichkeit des vergifteten Materials zu tun, und Am Tömp gebe es keine exakte Grenze zwischen dem Sand und dem Tennenmaterial auf dem Bolzplatz.
Petra Günther räumte ein, dass die endgültigen Ergebnisse für alle 73 Spiel- und Bolzplätze noch nicht vorlägen. „Wir warten noch auf die Ergebnisse der Detailuntersuchungen“ sagte sie. Sicher sei aber jetzt schon, so bestätigte sie auf Anfrage der Grünen, dass auf mehr als 20 Plätzen die Grenzwerte, die für heutiges, zertifiziertes Bodenmaterial gültig seien, um das 40- bis 100-fache überschritten seien. Aber erst das abschließende Gutachten werde detailliert Auskunft über alle Gifte und ihre Wirkungen auf allen 73 Spielplätzen geben wird.
Mit großer Mehrheit wurde der Antrag der Grünen, alle bedenklichen Spielplätze bis zur endgültigen Klärung zu schließen, von beiden Ausschüssen abgelehnt. Auch der Antrag, alle Plätze an Kindergärten und Schulen zu prüfen, fand keine Mehrheit.
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