Mönchengladbach: Gift: Vierter Spielplatz geschlossen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 04.08.2009Mönchengladbach (RPO). Kinder dürfen den Sandkasten und die Spielgeräte an der Oskar-Graemer-Straße derzeit nicht nutzen. Im Tennenmaterial wurde Gift gefunden. Insgesamt sind 201 Spiel- und Bolzplätze auf dem Prüfstand.
Wieder musste eine Spielplatz geschlossen werden. Das Areal an der Oskar-Graemer-Straße im Rheydter Zentrum ist nach den Plätzen an der Luise-Vollmar-Straße im Bezirk Volksgarten, Am Tömp in Beckrath und an der Kohrbleiche in Odenkirchen der vierte, der vorsorglich abgeriegelt wurde.
Kinder und ihre Eltern stehen vor einem Bauzaun, bis das vergiftete Tennenmaterial abgeräumt und durch sauberes ersetzt wird. Seit mehr als einem Jahr lässt die Stadt alle öffentlichen Spiel- und Bolzplätze untersuchen, die vor 1990 mit damals noch nicht zertifizierter Asche ausgestattet wurden. Arsen, Blei, Chrom, Cadmium und andere giftige Schwermetalle wurden entdeckt. Ein Schock für die Verantwortlichen im Grünflächenamt, ein Schock vor allem für die Eltern von Kleinkindern.
So geht's
Was wird getan? Vorsorglich werden alle Bolzplätze und Spielplätze in Mönchengladbach, auf denen Tennenmaterial eingebaut worden ist, und die vor 1990 gebaut worden sind, auf Schadstoffe untersucht.
Wer führt die Untersuchungen durch? Das IFUA Institut für Umweltanalyse in Bielefeld (www.ifua.de) ist ein anerkanntes Fachinstitut.
32 Flächen komplett saniert
Als im Frühjahr 2008 bei Bodenuntersuchungen auf dem ehemaligen Spielplatz an der Luise-Vollmar-Straße Arsen und Blei gefunden worden waren, beauftragte die Stadt das Institut für Umwelt-Analyse in Bielefeld. Seitdem haben dessen Mitarbeiter Bodenuntersuchungen auf insgesamt 196 Plätzen gemacht. 32 Flächen wurden bereits komplett saniert, an drei weiteren hat die Arbeit begonnen.
"Das Bielefelder Institut hat uns vor wenigen Tagen die Ergebnisse für weitere 123 Kinderspiel- und Bolzplätze vorgelegt", sagt der Leiter des Jugendamtes, Reinhold Steins. Derzeit werden diese Ergebnisse vom Umweltamt ausgewertet. Ein Resultat ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Der Spielplatz an der Oskar-Graemer-Straße wurde umgehend abgeriegelt. "Was wir tun, ist Vorsorge", sagt Reinhold Steins. Denn eine akute Gefährdung sei nie von dem vergifteten Tennenmaterial ausgegangen.
Gerade jetzt in den warmen Wochen des Jahres nutzen Kinder die Spiel-, und Jugendliche die Bolzplätze. Die Besorgnis der Eltern, die warmen Temperaturen könnten das Gift potenzieren, zerstreut Steins. "Das war anfangs auch unsere Befürchtung. Aber die Gutachterin Petra Günter hat uns beruhigen können."
Die Sanierung der städtischen Spiel- und Bolzplätze wird sich bis weit ins kommende Jahr hineinziehen. Das Gutachterbüro hat eine Prioritätenliste erstellt. Nach dieser müssen die nächsten zehn positiv getesteten Areale in den kommenden sechs Monaten hergerichtet werden, für alle weiteren hat die Stadt die Genehmigung, sie innerhalb der nächsten zwölf Monate zu sanieren.
"Das verschafft uns genügend Zeit, entsprechende Mittel zu beantragen und zu bekommen", sagt Steins. Immerhin kostet die Sanierung eines Platzes bis zu 11 000 Euro. Ebenso wie die aufwändigen Schadstoffuntersuchungen werden die Kosten vom Land Nordrhein-Westfalen mit 80 Prozent bezuschusst.
Auf der Homepage der Stadt (www.moenchengladbach.de) gibt es eine Liste aller Plätze, die bereits untersucht und saniert wurden. Anfragen können außerdem per E-Mail gestellt werden: pressestelle@moenchengladbach.de.
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