Mönchengladbach: Giftplätze: Wo bleibt Ergebnis?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2008Mönchengladbach (RPO). Arsen und Blei, Chrom und Cadmium im Spielsand und in den Tennenbelägen der Bolzplätze: Noch immer wartet die Stadt auf eine abschließende Analyse der Gifte. Ob weitere Plätze geschlossen werden, ist ungewiss.
Die Stadt hüllt sich in Schweigen. Wiederholte Anfragen bei der Pressestelle im Rathaus bringen seit Wochen gebetsmühlenartig die immer gleiche Antwort: „Es gibt nichts Neues.“ Die Informationen auf der städtischen Homepage wurden zuletzt Ende Juni aktualisiert. Wie steht es eigentlich um die verdächtigen Spiel- und Bolzplätze, die bereits seit Anfang März von externen Experten unter die Lupe genommen werden?
Bis heute liegt das Gutachten für die ersten 24 von 78 Plätzen nicht vor. Das sollte dem Umweltausschuss schon Anfang April präsentiert werden, dann korrigierte sich die Stadt und verwies auf den Juni. Aber auch zur gemeinsamen Sondersitzung des Umwelt- und des Jugendhilfeausschusses kurz vor den Sommerferien gab es keine abschließenden Ergebnisse.
Auf dem Prüfstand
Tennenbelag Bis 1990 verwendete die Stadt handelsübliches Material für die Bolzplätze.
Zertifikat Erst ab 1990 wurden die Bodenbeläge auf ihre Unbedenklichkeit hin geprüft und zertifiziert.
Etwa 100 Plätze wurden mit nicht zertifiziertem Belag ausgestattet. Diese stehen auf dem Prüfstand.
„Die Untersuchungen gestalten sich ausgesprochen schwierig und langwierig“, sagt die Diplom-Biologin Petra Günther vom beauftragten Institut für Umwelt-Analyse in Bielefeld. „Aber wir hoffen, dass wir in der kommenden Woche unser Gutachten abschließen können.“ Nur wenige Labore in Deutschland seien in der Lage, die aufwändigen Tests an den Bodenproben durchzuführen. „Entsprechend überlastet ist das Labor, das für die Stadt Mönchengladbach arbeitet“, sagt Petra Günther. Die Umweltchemiker müssen beispielsweise die bisher acht giftigen Schwermetalle, die an unterschiedlichen Standorten entdeckt wurden, daraufhin prüfen, ob sie vom menschlichen Körper aufgenommen oder aber einfach wieder ausgeschieden werden. Die Palette der Gifte in Tennenbelägen und im Spielsand ist breit gefächert: Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Nickel, Kupfer, Quecksilber und Zink – und jedes verhält sich anders.
Auslöser für die umfangreichen und teuren Untersuchungen waren die eher zufälligen Arsen- und Bleifunde auf dem Spiel- und Sportgelände an der Luise-Vollmar-Straße im Stadtbezirk Volksgarten. Die Stadt war alarmiert. Nach ersten Tests wurden der Spielplatz an der Süchtelner Straße in Eicken und am Tömp in Beckrath abgesperrt. Die hohen Bauzäune stehen nach wie vor. Den Grünen dauerte das ganze Verfahren zu lange, sie beantragten die vorläufige Schließung aller verdächtigen Spielareale. Ohne Erfolg, die Mehrheitsfraktionen lehnten ab. Inzwischen geht die Spielplatzsaison ihrem Ende zu.
Ob weitere Plätze geschlossen werden? Diese Frage mag Petra Günther nicht beantworten: „Ich möchte nicht meinem eigenen Gutachten vorgreifen.“ Zunächst müsse sie noch zwei bis drei Untersuchungsergebnisse abwarten, dann könne sie umgehend ihre abschließende Bewertung für die ersten 24 Spielplätze vorlegen.
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