Mönchengladbach: Gladbach aus der Sicht eines Briten
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008Mönchengladbach (RPO). Der Schriftsteller Roy Kift hat für seinen englischsprachigen Reiseführer Touren am Niederrhein unternommen. Station machte er auch in Mönchengladbach. Er entdeckte unschöne Ecken, aber auch Plätzchen, die Kift geradezu paradiesisch fand.
Stadtmitte/Rheydt Mönchengladbach aus einer anderen Perspektive kennen lernen, aus fremden Augen sehen, das kann man mit Roy Kifts englischsprachigem Reiseführer „Düsseldorf, Aachen and the Lower Rhine“ (Düsseldorf, Aachen und der Niederrhein). Zwei Tage lang hat sich der gebürtige Engländer und Wahl-Castrop-Rauxeler auf durch die Stadt gemacht, und ihr im 224 starken Buch ein Kapitel gewidmet.
„Ich wollte schon immer den Niederrhein kennen lernen“, sagt der Schauspieler, Drehbuchschreiber und Schriftsteller Roy Kift. „Vor allem meine Freunde aus England haben mich dazu angespornt, weil sie mich immer gefragt haben, ob es überhaupt schöne Ecken im Niederrhein gibt“, erzählt der 65-Jährige.
In Mönchengladbach ist er fündig geworden: „Begonnen habe ich meine Tour am Hauptbahnhof“, sagt Kift. „Eine eher unschöne Gegend. Aber oben auf dem Alten Markt und an der Abtei hatte ich das Gefühl, in einer anderen Welt angekommen zu sein“, berichtet er. Vor allem die Fassaden der Altbauten haben ihn fasziniert. Sein persönliches Schmankerl: das Abteibergmuseum. Kift schreibt: „Es wird wohl jedem Besucher auffallen, dass dieses Museum nicht nur ein simples Gebäude ist, sondern in seiner eleganten Form überzeugt.“
„Geradezu paradisisch“ findet Kift das Schloss Rheydt mit seiner umliegenden Parkanlage und dem Wassergraben, der das Schloss umgibt. Wobei er auch in seinem Buch kritische Töne anschlägt: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Schloss nicht gerade besonders gut in Stand gehalten ist. Andere Herrenhäuser des Niederrheins sind besser erhalten.“ Wohl auch das Schloss Wickrath – „einen besseren Platz zum Flanieren gibt es nirgends.“
Rundum aber ist Roy Kift begeistert, er schildert in seiner Einleitung die Geschichte der Stadt. Namen wie Hugo Junkers, der Erbauer des legendären Flugzeugs Ju 52, fallen. Und auch ein Stück düstere Geschichte, die des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels.
Irritiert zeigt er sich von Rheydt und Mönchengladbach. „Obwohl die Städte in den 70er Jahren zusammengelegt wurden, haben sie immer noch zwei Vorwahlen und zwei Hauptbahnhöfe. Weshalb Mönchengladbach auch einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hat, denn keine andere europäische Stadt besitzt zwei Hauptbahnhöfe.“
Hin und weg ist er von den kulinarischen Ausgehmöglichkeiten. So widmet er eine Seite den Gaumenfreuden. Sei es der heiße Latte Macchiato, die hachdünne italienische Pizza, das Fünf-Gänge-Menü oder das rustikale Schweineschnitzel. Roy Kift hat sich einmal durch Gladbach geschlemmt.
Am Ende seiner Tour ist er zufrieden: „Ich habe einen guten Eindruck gewonnen.“ Eine Frage bleibt ihm dennoch offen: „Warum die Gladbacher ihren Karnevalszug am Veilchendienstag und nicht, wie alle anderen, am Rosenmontag feiern, bleibt mir ein Rätsel.“
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