Mönchengladbach: Gladbach bleibt arm
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 13.09.2008Mönchengladbach (RPO). Bei den Sozialleistungen hat die Stadt Mönchengladbach auch im vergangenen Jahr ihre Spitzenposition in verschiedenen Bereichen behalten. Ein trauriger Rekord.
Von tausend Einwohnern in Mönchengladbach erhalten 142 Personen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch. Damit erreicht Mönchengladbach den höchsten Wert im Vergleich mit 14 vergleichbar großen Städten in Nordrhein-Westfalen. Der Mittelwert, den die mit einem „Benchmarking“, der statistischen Erhebung von Kennzahlen, beauftragte Firma con-sens errechnete, liegt bei 110 Menschen je 1000 Einwohner mit Leistungsanspruch.
18,5 Prozent mehr Bedürftige
Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt, so informierte Frank Herzogenrath im Sozialausschuss des Rates, sei insbesondere die Zahl der Bedarfsgemeinschaften mit Alleinerziehenden mit 20,5 Prozent erneut um 1,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. „Dies ist auch als eine Auswirkung der hohen Scheidungsrate in Mönchengladbach zu sehen“, interpretiert Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz diese Aufwärtsentwicklung Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt kletterte die Zahl der Bedürftigen von Januar bis Dezember 2007 von 397 auf 469 Personen: eine Zunahme um beunruhigende 18 Prozent.
Dagegen stieg die Fallzahl der Anträge auf Grundsicherung im Alter „nur“ um vier Prozent auf 2787 Fälle. Auch die Ausgaben pro Leistungsberechtigten stiegen, von 4612 Euro in 2006 auf 4769 Euro im Jahr 2007. „In den meisten Bereichen liegt Mönchengladbach über dem Mittelwert der von con-sens vorgelegten Kennzahlen“, sagte Herzogenrath.
Auf der anderen Seite liegt die Anzahl vorrätiger Heimplätze für Pflegebedürftige in der Vitusstadt mit 8,6 Plätzen pro 1000 Einwohner um 0,6 Plätze unter dem Mittelwert im Lande. Das berichtete Fred Voiß, Leiter des Amtes für Altenhilfe.
„Wenn ich diese Zahlen sehe, dann wird mir ganz anders“, sagte Ausschussmitglied Dieter Breymann (CDU). Das verstand Harald Kamp von der SPD als generelle Kritik an Sozialleistungen und warnte: „Wir müssen uns eben klar darüber werden: Wollen wir den Armen helfen oder nicht?“ Breymann betonte, er stelle keinesfalls den Rechtsanpruch auf Leistung in Frage. Aber: „Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken machen, wie wir zu verbesserten Sozialstrukturen in dieser Stadt kommen“, sagte Breymann.
Zuvor hatte Bodo Vermaßen, stellvertretender Geschäftsführer der Arge, einen Bericht über die Zufriedenheit seiner Kunden mit der Beratung vorgelegt. Auf der Grundlage einer Befragung von 100 stichprobenweise ausgewählten Kunden seien überwiegend gute Noten erteilt worden. 2,5 etwa lautete die Durchschnittszensur, die Kunden für die Wartezeit erteilten, die sie auf einen Beratungstermin warten mussten. Bei der Einschätzung der telefonischen Erreichbarkeit war die Zufriedenheit schon geringer: Note 3,3 (im Bundesvergleich: 2,5). Und gefragt, wie sie die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik einschätzen, urteilten die meisten pessimistisch: 4,1 war die Durchschnittsnote.
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