Mönchengladbach: Gladbach hilft in Haiti
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 22:02Mönchengladbach (RPO). Zwei Tage vor dem Erdbeben ist Marc Auguste, ehemaliger Leiter der Mönchengladbacher Drogenberatung, nach Haiti gereist, um Vorlesungen an der Universität zu halten. Jetzt betreut er 40 Erdbebenopfer in seinem Haus.
Die frühen Morgenstunden des 13. Januar wird Madlen von Haxthausen-Auguste so schnell nicht vergessen. Um vier Uhr klingelte ihr Telefon: Ihre Tochter hatte gerade gehört, dass in Haiti die Erde gebebt hat. Zwei Tage zuvor war ihr Mann Marc Auguste (72), einst Leiter der Mönchengladbacher Drogenberatung, in das Erdbebengebiet geflogen. Vier lange Stunden hat es gedauert bis Madlen von Haxthausen-Auguste einen ersten telefonischen Kontakt zu ihrem Mann bekam.
Viele Menschen irren umher
„Es hat sehr gerauscht, aber ich konnte ihn verstehen”, erzählt von Haxthausen-Auguste. „Gott sei Dank geht es ihm gut.” Marc Auguste ist Dozent an der Universität für Soziologie. Jedes Jahr reist der Haitianer für ein Semester in seine Heimat. „Eigentlich kommt er immer am 25. Januar dort an. Aber weil das Semester dieses Jahr früher angefangen hat, ist er schon am 10. Januar hingeflogen”, erzählt seine Frau.
Drei Mal hatte sie in den letzten Tagen Kontakt zu ihrem Mann, der in einem Haus in La Boule wohnt, etwa 14 Kilometer oberhalb von Port-au-Prince. „Er hat dort 40 Leute untergebracht und organisiert für sie Obst, Gemüse und Wasser”, berichtet Madlen von Haxthausen-Auguste. Zwar habe das Haus Risse, aber einsturzgefährdet sei es nicht, habe ihr Mann berichtet. In den ersten Stunden hat die Ehefrau befürchtet, das Haus am Berghang könnte abgerutscht sein. „Es hieß ja, dass einige Häuser in Schluchten gestürzt sind”, sagt sie.
Die Lage vor Ort sei katastrophal habe ihr Mann berichtet. Viele Leute irrten unter Schock zwischen den Trümmern umher. Immer wieder gebe es leichte Nachbeben. Die Angst davor, dass es noch weitere Nachbeben gibt, ist groß. „Das ganze Ausmaß der Situation kennen die Leute vor Ort gar nicht, weil sie nur in ihrem Bereich helfen können.” Dass Marc Auguste relativ schnell Essen und Trinkwasser organisieren kann, liegt an seinem jahrelangen Engagement in einer Grundschule und einer Gesundheitsstation in Titoyen bei Port-au-Prince.
„Die Menschen kommen ja vom Land dorthin, um sich behandeln zu lassen. Das interne Hilfenetzwerk funktioniert dort sehr gut”, weiß Madlen von Haxthausen-Auguste zu berichten. „Da ist es nicht so wie in der Hauptstadt.” Marc Auguste kennt sich mit Krisen aus: 2004 erlebte er die Unruhen um den Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide mit, 2008 war er dabei, als große Teile Haitis überflutet wurden. „Aber noch nie war sein Leben selbst bedroht”, sagt seine Frau. Seine Rückkehr ist für den 1. April geplant. „Aber ob er dann tatsächlich zurückkommt ist offen”, glaubt seine Frau. „Er wird die Menschen, für die er Verantwortung übernommen hat, nicht alleine lassen.”
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