Mönchengladbach: Gladbach in Zeiten der Krise
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008Mönchengladbach (RPO). Oerlikon Schlafhorst geht, Autozulieferer bauen Personal ab, der Mittelstand schraubt seine Erwartungen zurück. Die Zahl der Arbeitslosen ist gestiegen. Die Finanzkrise wirkt sich auf die Stadt aus – aber nicht auf alle Branchen.
Die Nachrichten der vergangenen Wochen sind trübe: Aus der Stadt verschwinden zahlreiche Arbeitsplätze bei etablierten Unternehmen. Die Textilmaschinenbranche erlebt eine große Flaute, Autohändler und -zulieferer stecken in der Krise. Die Arbeitslosenquote ist in Mönchengladbach wieder auf 11,2 Prozent gestiegen. Die Zahl der freien Arbeitsstellen ging außerdem zurück.
Im Winter mehr Arbeitslose
Noch will niemand der Wirtschaftsexperten in Mönchengladbach von einer Rezession sprechen. Doch in ganz Deutschland fährt die Industrie ihre Produktion zurück. Die Leidtragenden sind in Mönchengladbach bereits bei der jüngsten Arbeitslosen-Statistik bekannt geworden: Leiharbeiter, Gerinqualifizierte und befristet angestellte Arbeitnehmer, die in Zeiten des Aufschwungs eine Stelle bekamen.
Sie stehen nun wieder auf der Straße. „Wir werden uns im Winter auf steigende Arbeitslosenzahlen einrichten müssen“, sagte Johannes-Wilhelm Schmitz, Chef der Agentur für Arbeit. Der Arbeitsmarkt habe seine Dynamik der vergangenen Monate verloren. Schon im September sah Doris Schillings vom Arbeitsamt durch Insolvenzen und Kurzarbeit „dunkle Wolken aufziehen“.
Im Handwerk und beim Handel ist die geschäftliche Situation noch im Lot. „Vielleicht werden wir aber zeitversetzt die Folgen der Finanzkrise spüren“, sagte Obermeister Reinhard Esser. Auch der Aufschwung hatte in diesen Branchen später eingesetzt. So sieht die Lage zurzeit aus:
Stellenabbau Schlafhorst wird 386 Mitarbeiter in den nächsten 15 Monaten abziehen, davon 84 entlassen. Tiefdruck Schwann Bagel hat 180 Mitarbeitern gekündigt. Die Telekom schließt ihr Call-Center, 200 Arbeitsplätze fallen weg. Trützschler hat ebenfalls Stellen abgebaut.
Seit August arbeitet rund die Hälfte der 700 Beschäftigten in Kurzarbeit, 80 Stellen wurden in den vergangenen zwei Jahren eingespart. Nun will Trützschler zusätzlich 90 Arbeitsplätze streichen. Durch den Wegzug der Briten aus dem JHQ werden in den kommenden fünf Jahren rund 900 zivile Arbeitsplätze wegfallen.
Mittelstand Verhalten ist die Stimmung bei den mittelständischen Unternehmen. Das ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer. Bereits vor der Krise auf den Finanzmärkten erwartete nur noch eine knappe Mehrheit der Unternehmen eine Verbesserung der Geschäftslage. „Durch die jüngsten Ereignisse hat gut ein Drittel der Betriebe seine Erwartungen nochmals zurückgefahren“, erläutert Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein.
Verkausoffener Sonntag ein Erfolg
Handel Die verkaufsoffenen Sonntage waren bereits ein Erfolg, in Rheydt waren die Geschäftsleute mit den Umsätzen sogar sehr zufrieden. Doch der Einzelhandel hatte auch Nachholbedarf: Lange haben die Kunden ihr Konsumverhalten eingeschränkt, jetzt werden sie wieder spendabler. „Wir hoffen, dass die Stimmung umschlägt“, sagt Rainer Gallus, Geschäftsführer vom Einzelhandelsverband. Es sei durchaus realistisch, dass es im Weihnachtsgeschäft noch einmal richtig bergauf gehe.
Handwerk Noch sind die Auftragsbücher in den meisten Branchen voll, die Finanzkrise habe noch keine gravierenden Auswirkungen, sagt Obermeister Esser. Allerdings werden nur verhalten größere Investitionen getätigt. Für 2009 sieht Esser durch die Umweltzonen, etwa in Düsseldorf ein Problem auf das Handwerk zurollen.
Dann dürfen nur noch abgasarme Autos in die Innenstädte fahren. „Manche werden ihren Fuhrpark auswechseln müssen“, sagt Esser. Das könne eine enorme Belastung werden.
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