Mönchengladbach: Gladbach und Rheydt in der NS-Zeit
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 09.05.2008Mönchengladbach (RPO). Mit den morgen beginnenden Aktionswochen für Freiheit und Menschenrechte will das Bündnis „Aufstehen!“ ein entschiedenes Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Dabei geht es auch um die NS-Vergangenheit. Wir beleuchten einzelne Aspekte Gladbachs unter dem Hakenkreuz.
Wie viele Gladbacher haben NSDAP gewählt?
Bis 1930 war die NSDAP im vereinten Gladbach-Rheydt ohne Bedeutung geblieben. Das sollte sich bald ändern: Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933, als Adolf Hilter schon Reichskanzler war, wählten in Mönchengladbach 36,1 Prozent der Menschen die NSDAP, Rheydt lag mit 45,7 Prozent der Wählerstimmen sogar über dem Reichsergebnis (43,9 Prozent).
Warum hatte die NSDAP in Rheydt mehr Wähler?
Dafür hat Karl Boland vom Stadtkulturbund zwei Erklärungsansätze: Während Gladbach links-katholisch orientiert war und die Zentrums-Partei über eine große Stammwählerschaft verfügte, war Rheydt protestantisch-preußisch. Zusätzlichen Aufwind gab es durch einen Auftritt Joseph Goebbels (gebürtiger Rheydter, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda). Er hielt im April 1933 auf der Rathaus-Treppe eine engagierte Rede, Rheydt wieder abzutrennen, was im August auch geschah.
Wer regierte nach 1933 die Stadt?
Für die Zeit vor und nach 1933 gibt es in der Kommunalpolitik keine Kontinuitätslinien. „Personell war das ein kompletter Neuanfang“, sagt Boland. Am 26. Juni 1933 übernahm der Kreisleiter der NSDAP, Wilhelm Pelzer, kommissarisch die Leitung. Im Dezember wurde dann Dr. Hans Poeschel vom Stadtrat zum Oberbürgermeister von Gladbach gewählt. Edwin Hasenjaeger wurde Oberbürgermeister von Rheydt. Alle waren zuvor nicht in Erscheinung getreten.
Wo hatte die NSDAP ihre Zentrale?
Die NSDAP zog mit ihrer Parteizentrale mehrfach um: Von der Lüpertzender Straße ging es 1933 ins Rathaus. „Das hatte symbolischen Charakter“, erklärt Karl Boland, „so feierten sie ihren Sieg über das vorangegangene System.“ Folglich stand auch im Frühjahr 1934, nach dem Ende des Volksvereins und somit dem Sieg über den Politischen Katholizismus, der Umzug in die alte Volksverein-Zentrale an. Später war das Büro noch im Logenhaus in Rheydt und im Haus des alten Gewerbeamtes.
Welche Menschen wurden besonders verfolgt?
Mit dem 1. April 1933 begann in Gladbach und Rheydt die Hetze gegen jüdische Mitbürger, deren Geschäfte und Praxen boykottiert wurden. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November brannten in Rheydt in der Wilhelmstraße und in Gladbach in der Blücherstraße die Synagogen. Insgesamt sind 764 Juden aus der heutigen Stadt Mönchengladbach Opfer der Shoa geworden.
Gab es Widerstand?
Widerstand leisteten vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten, Katholiken und Protestanten. Aber auch einzelne Widerstandskämpfer gab es: Der bekannteste ist Theo Hespers (1903-1943), der ab März 1933 als politisch und religiös motivierter Widerstandskämpfer aus den Niederlanden agierte. Er wurde im Juli 1943 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.
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