Mönchengladbach: Gladbachs jüngster 80-Jähriger
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010Mönchengladbach (RPO). Wenn er die Treppe im Pfarrhaus hoch stürmt, kommen auch Jüngere kaum mit. Seine Pfarrbriefe layoutet er am Flachbildschirm. Und seine schelmischen Sprüche sind legendär. Heute wird Johannes van der Vorst 80.
Auf der Einladung zu seinem Geburtstag, die er auf seinem Computer mit riesengroßem Flachbildschirm natürlich selbst layoutet hat, steht oben "Unser Johannes van der Vorst wird 80 Jahre." Das werden zwar alle, die ihn persönlich kennen, für einen mittelschweren Druckfehler gehalten haben. Van der Vorst? 80? Unmöglich! Aber viele werden mit einem Lächeln genau das sagen, was auf der Einladung steht: "Unser Pastor." Oder auch: "Unser Johannes."
Wer mit ihm über das Gelände der Geistenbecker Pfarrgemeinde Heilig Geist geht, braucht erstens gute Kondition – denn van der Vorst stürmt mehr, als dass er schlendert – und lernt viele Menschen kennen. Egal ob Mutter aus dem Spieltreff, ehrenamtliche Helferin oder Dreijährige aus dem Kindergarten. Alle rufen schon von weitem: "Hallo, Herr Pastor." Er wird von sehr vielen sehr unterschiedlichen Menschen als einer der ihren empfunden. Und das ist er auch. "Ich bin nicht der Richtige für die hochintellektuelle Predigt", sagt er. Aber einer, der gerade auch die unfassbaren Dinge so erklärt, dass sie jeder versteht. Wenn's geht mit Augenzwinkern. Seine Sprüche sind legendär, zum Beispiel der zur Fastenzeit: "Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können." Oder der zu seinem Selbstverständnis: "Der Kunde ist König." Weswegen jede Anfrage Ruck-Zuck beantwortet wird.
Von Gott spricht er gerne als "vom Chef da oben". Wenn er solche Dinge sagt, dann lacht er ein lautes und hohes Lachen, ein bisschen schelmisch, wie einer, der etwas ausgeheckt hat. Van der Vorst ist ein früh Berufener, der aber erst spät dem Ruf folgen konnte. Schon mit zehn, weiß er, dass er Pastor werden will, spielt Messen in der Küche mit kleinen Kelchen und Umhang nach. Doch der Krieg durchkreuzt auch die Pläne von Johannes van der Vorst. Mit 28 hatte er nicht mal einen Volksschulabschluss – aber eine kaufmännische Lehre in einer Gladbacher Baumwollspinnerei abgeschlossen. Die kommt ihm heute zugute. "Ich kann mit Geld umgehen und hasse Unordnung", sagt er.
Das Abitur holt er auf der Abendschule nach, mit 32. "Ich war immer der Älteste." Und das ist bis heute so geblieben. Vergangenes Jahr hat der Bischof seinem Antrag auf Verlängerung ein letztes Mal zugestimmt. Und so war van der Vorst bis in diese Tage in sechs Gemeinden, die eine Gemeinschaft der Gemeinden gebildet haben, unterwegs. Auch für die nächsten Monate ist sein akkurat geführter Terminkalender voll. Als Subsidiar ist er im Einsatz.
Wer ihn bei Borussia auf der Tribüne mitfiebern sieht ("Da sage ich auch schon mal Dinge, die man nichts sagen sollte") oder ihn als Bezirkspräses der Schützen erlebt, unermüdlich, herzlich, auf die Menschen zugehend – der wird sofort zustimmen, wenn er sein Alter mit wegwischender Handbewegung abtut: "Ich mach einfach immer weiter. Dann habe ich keine Zeit, Unfug anzustellen."
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