Mönchengladbach: Gladbachs rechte Szene ist aktiv
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Mönchengladbach (RPO). Tätowierungen, Glatze, Springerstiefel – das war gestern. Das Markenzeichen der rechten "Autonomen Sozialisten" ist das Palästinensertuch. In Mönchengladbach haben sie einen starken Zulauf. Und ein führender Rechtsrock-Musiker lebt hier. Er wollte 2005 für die NPD in den Bundestag.
Vermummte Kämpfer mit Sturmgewehr und drei Hakenkreuze: So sieht das Emblem der "Kameradschaft Aachener Land" aus. Es handelt sich um eine Gruppierung, die zum rechtsradikalen Umfeld gerechnet wird und die nach Erkenntnissen des Journalisten Michael Klarmann zahlreiche Anhänger in Mönchengladbach hat. Dies kommt nicht von ungefähr: Die rechte Szene ist in Mönchengladbach stark. Die NPD stellt zwei Vertreter im Stadtrat, hat gerade mit dem 61-jährigen Manfred Frentzen einen OB-Kandidaten benannt und besetzt nach eigenen Angaben bei der Kommunalwahl am 30. August alle 33 Wahlbezirke mit eigenen Kandidaten. Darunter werden viele junge Menschen sein.
Auf Stimmenfang
"Die NPD ist von ihrer Altersstruktur die jüngste Partei in Deutschland, allerdings mit einem alten Politikbild", sagt Klarmann. Er sprach im Haus Erholung auf Einladung der Partei "Die Linke". Wer die NPD für eine Übergangserscheinung in der Stadt hält, wird seine Meinung revidieren müssen: Denn in den vergangenen Jahren haben sich in Mönchengladbach am rechten politischen Rand neben der NPD noch mehrere andere Parteien und Gruppen angesiedelt, die auf Stimmenfang sind.
Darunter sind Rechtspopulisten oder, wie sie sich selbst bezeichnen, nationale Patrioten, die bei "Pro NRW" sind. Diese Gruppierung tritt zwar nicht bei der Kommunalwahl an, will aber 2010 bei der Landtagswahl eine Rolle in Gladbach spielen. Im Mittelpunkt steht die Mönchengladbacherin Renate Willms, die erst bei "Pro NRW" aktiv war, dann aus dem Vorstand zurücktrat. Rechte-Szene-Rechercheur Klarmann ist sicher: "Willms hat sich im NPD-Umfeld bewegt und war auch bei NPD-Demos dabei."
Im rechtsradikalen Umfeld bewegen sich die Gruppen "Autonome Nationale Sozialisten Wickrath" und "Autonome Sozialisten Rheydt". Die Grenzen zur NPD sind bei ihnen, so Klarmann, oft fließend. Es gebe enge Berührungspunkte. Dabei tarnen sich ihre Anhänger teilweise geschickt: Glatze, übermäßige Tätowierungen, Tarnhose und Springerstiefel sind out. Klarmann: "Die ,Autonomen Sozialisten' haben die Kleidung der linken Szene übernommen. Bis hin zum Palästinensertuch." Dieses Utensil wird bewusst gewählt, weil es eine Nähe zur libanesischen Hisbollah und zur palästinensischen Hamas demonstriert. "So zeigen ,Autonome Sozialisten', dass sie gegen Juden sind. Sie haben großen Zulauf, bei deutschen und, wegen der Israel-Kritik, bei muslimischen Jugendlichen", sagt Klarmann.
Deren Musikvorlieben greift die rechte Szene gezielt auf, und einer der bekanntesten Rechtsrocker ist ein Mönchengladbacher. Nach Klarmanns Angaben handelt es sich dabei um den Bundestagskandidaten der NPD 2005. Vor vier Jahren trat in Gladbach Andreas Koroschetz für diese Partei an. Er steht hinter dem Ein-Mann-Bandprojekt "Division Germania", ist Teil von "Gigi und die braunen Stadtmusikanten", spielt Punk, Heavy Metal und Schlager und versieht die jeweilige musikalische Stilrichtung, so Klarmann, mit rechtsextremen Texten. "Wir sind wieder da!" heißt zum Beispiel ein Song der "Division Germania". Klarmann: "Da wird zum Umsturz aufgerufen, von der Wehrmacht gesungen und die SA gemeint." Das Kürzel SA steht für die Sturmabteilung, die paramilitärische Kampfabteilung der Nationalsozialisten. Klarmanns Fazit: "Wir müssen wachsam bleiben."
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