Mönchengladbach: Gladbachs teure Retter
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 03.05.2008Mönchengladbach (RPO). Die Hinfahrt kostete 40, die Rückfahrt 114 Euro. Beide Fahrten machte der Deutsche Hilfsdienst. Der Unterschied: Beim Rücktransport war die Feuerwehr zwischengeschaltet. Kunde Winfried F. Hörstmann fühlt sich verschaukelt.
Sein Krankenhausaufenthalt war für Wilfried F. Hörstmann nicht das einzige Negativerlebnis der vergangenen Wochen. Als er die Rechnungen für den Transport vom Altenheim Eicken ins Krankenhaus Bethesda in den Händen hielt, ging die Stimmung bei dem 67-Jährigen restlos in den Keller: Für die Hinfahrt berechnete ihm der Deutsche Hilfsdienst 40 Euro, für den Rücktransport stellte die Feuerwehr dagegen 114 Euro in Rechnung. „Das ist doch Wucher. Ich habe zunächst an einen Fehler geglaubt“, schimpft Hörstmann. Seine Rückfrage bei der Stadt ergab: Die Rechnung der Feuerwehr ist korrekt. Die Höhe der Gebühren ist von Mönchengladbachs Politikern per Satzung so festgelegt worden. Das Kuriose: Die Feuerwehr beauftragt für den Rücktransport selbst einen privaten Anbieter.
Wenig Spielraum
Doch sie hat wenig Spielraum. Für sie ist der Krankentransport ein eher lästiger Zusatzdienst, den sie übernehmen muss, weil sie dazu gesetzlich verpflichtet ist. „Jeder private Anbieter kann pleite gehen oder seinen Dienst nach Vertragsende einstellen. Wir aber müssen ihn vorhalten. Und das an 365 Tagen im Jahr – rund um die Uhr“, sagt Feuerwehrchef Jörg Lampe.
Die Zahlen belegen dies. Noch 2003 fuhr die Feuerwehr 16 500 Kranke in der Stadt, im Vorjahr waren es nur noch 6302. Und der Sinkflug setzt sich fort, weil Krankenkassen und Krankenhäuser den preiswerteren Anbietern den Vorzug geben, viele Kranke aber auch keinen Transport im Krankenwagen mehr bezahlt bekommen. Da die erwarteten Prognosezahlen für Krankentransporte seit Jahren immer unter den tatsächlichen liegen, buttert die Stadt kräftig zu. Die Deckungslücke lag Mitte des vergangenen Jahres bereits bei mehr als einer halben Million Euro.
Da der Dienst kostendeckend sein muss, führte dies dazu, dass die Krankentransporte im Vorjahr drastisch teurer wurden: von 78 Euro kletterte die Gebühr auf 114 Euro – zum Leidwesen der Gladbacher Politiker. Heftig umstritten war Ende 2006 deshalb die Notfallrettung, die bei der Feuerwehr erheblich teurer als beim privaten Anbieter Deutscher Hilfsdienst ist. Die Feuerwehr muss allein schon deshalb mehr kassieren, weil sie per Landesgesetz dazu verpflichtet ist, den Sicherstellungsauftrag zu erfüllen. Und dafür braucht es unter anderem die Leitstelle der Feuerwehr, die alle Einsätze koordiniert.
Das Rettungssystem ist sogar noch komplizierter. Bei Patient Wilfried F. Hörstmann tauchten im Auftrag der Feuerwehr Mitarbeiter des privaten, preiswerteren Hilfsdienstes auf. Der Grund: Die Feuerwehr kauft deren Leistung ein, berechnet aber ihren Gebührensatz. Hörstmann wundert sich: „Das versteht keiner mehr.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





