Mönchengladbach: Golf allein ist auf die Dauer auch nicht das Wahre
zuletzt aktualisiert: 03.12.2011Mönchengladbach (RP). Er hat in vielen Ländern gearbeitet, war zwischendurch auch mal Österreicher. Doch bei all den Jahren in Wien, auf Teneriffa, im Baskenland, auf Mallorca, in Griechenland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Dortmund, Köln und der österreichischen Provinz und dem Iran ist Bernd Krauss dort angekommen, wo er sich als Mensch am wohlsten fühlt: in Windberg mit seiner Eigentumswohnung und in Frankreich, wo er am Golf von Biskaya ein Haus hat: wunderschön fast in Fahrrad-Distanz zwischen Biarritz und dem spanischen San Sebastian gelegen. Ein halbes Jahr dort, ein halbes Jahr am Niederrhein: So etwa ist die Aufteilung für Bernd und Andrea Krauss, gebürtige Gladbacherin.
Da bleibt viel Zeit, Golf zu spielen (Handicap 10,5 er, 25 sie). "Viele meinen, ich hätte ein tolles Leben", sagt Bernd Krauss. Unglücklich ist er ja auch nicht, aber der Beruf fehlt ihm doch: "Etwas Pause braucht man in meinem Job ja. Aber ich bin mit 54 noch zu jung, mich aufs Altenteil zu setzen. Ich wäre gerne wieder mit einer Mannschaft zusammen, will auf dem Platz arbeiten."
Seit dem Rauswurf im österreichischen Mödling 2007 hat Krauss keine Anstellung mehr gehabt, sieht man von zwei Jahren als Berater für seinen dritten Lieblingsverein San Sebastian ab. Vier Jahre ohne Verein, das weiß er, die lassen potenzielle Interessenten fragen: Warum hat er so lange nichts gehabt? Dass Aris Thessaloniki Geldprobleme hatte, die Scheichs in Abu Dhabi nicht denken wie Fußballtrainer, ein österreichischer Multimillionär pötzlich neue Ideen hatte, das zum Beispiel wird nicht hinterfragt. "Ich bin kein Fantast, in der Bundesliga werde ich wohl nichts mehr bekommen. Doch auch mit Nachwuchsmannschaften zu arbeiten oder in der Dritten Liga, das läge mir. Und im Ausland hat es mir oft Spaß gemacht", sagt Krauss.
Vor allem auf Teneriffa und in San Sebastian. Oder auch früher als Spieler in Wien. Dort ist er 1977 auf Vermittlung von Trainerlegende Max Merkel beim SK Rapid gelandet: "In Dortmund sah ich als knapp 20-Jähriger kaum eine Chance, hatte in meiner ersten Saison als Profi nur einen Bundesligaeinsatz. Trainer Otto Rehhagel setzte halt vor allem auf erfahrene Leute wie Ente Lippens oder Manni Burgsmüller. Aber als er dann noch den 37-jährigen Sigi Held holte, da wollte ich weg."
In Wien setzte Krauss sich durch, war mit der Mannschaft sehr erfolgreich. Und wurde sogar Österreicher und Nationalspieler seines ursprünglichen Gastlandes, das für seine Auswahl einen rechten Verteidiger suchte und den Deutschen ansprach. Der dann auch zusagte: "Die Länderspiele waren eine gute Möglichkeit, mich für die Bundesliga zu empfehlen. Und dort wollte ich unbedingt hin."
Was dann ja auch nach sechs Jahren und 22 Länderspielen geklappt hat: 1983 holte Krauss Borussia aus Wien. Mönchengladbach wurde seine neue Heimat. Und er dann auch wieder Deutscher: weil Borussia nach dem Wechsel von Lothar Matthäus zum FC Bayern einen Ausländer als Ersatz holen wollte, mit Kai-Erik Herlovsen und Krauss die beiden Ausländerplätze aber schon belegt waren und er seinem Verein helfen wollte.
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