Mönchengladbach: Gourmetstadt Gladbach
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 22.11.2008Mönchengladbach (RPO). Wer gut essen will, fährt nach Düsseldorf. Falsch! Innerhalb kurzer Zeit hat sich in Mönchengladbach eine Spitzengastronomie entwickelt. Das zeigen die aktuellen Bewertungen der Restaurantkritiker. Die Stadt profitiert.
Gault Millau
1969 von den beiden Journalisten Henri Gault und Christian Millau gegründet
1973 verkündeten sie in ihrem Monatsmagazin zehn Gebote für eine zeitgemäße Küche. Sie forderten etwa kürzere Garzeiten, marktfrische Produkte und leichte Saucen.
1983 erschien die erste deutsche Ausgabe.
Wie wäre es damit? Bisonsteak an elastischer Entenbrust mit gebratenem Mais und blauen Pommes. Oder damit? Zart gebratene Jakobsmuschel mit Erbsenpüree und Chorizoschaum. Und zum Nachtisch: Holunderblüten mit Topfenpalat-schinken und Tiramisù. Wo es so etwas gibt? In Mönchengladbach. Und zwar im Restaurant Palace St. George von Wolfgang Eickes. Und weil er im Borussiapark in Sichtweite des Stadions so wunderbar kocht, hat er gerade vom renommierten Restaurantführer Gault Millau 16 Punkte bekommen.
Es tut sich was
Die stehen für einen „hohen Grad an Kochkunst und Qualität“. Und Eickes ist nicht der einzige Gastronom in Gladbach, der mit den begehrten Punkten ausgezeichnet wurde. 14 Punkte erhielt Jürgens Restaurant im Hotel Coenen, ebenso das Gasthaus Stappen in Steinhausen vor den Toren der Stadt. In der Szene tut sich etwas. Das Gerede von der kulinarischen Diaspora ist plötzlich verstummt. Man fährt zum Speisen nicht mehr nach Düsseldorf, man geht in Gladbach aus. Wer hätte das gedacht?
„Mönchengladbach hat innerhalb von sehr kurzer Zeit einen großen Schub nach vorn erlebt. Ich finde das großartig.“ Das sagt Marcellino Hudalla. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er gibt den “Marcellino‘s Restaurant-Report” heraus, eine Restaurantführer, der in den vielen deutschen Großstädten erscheint. In diesem Jahr auch erstmals in Mönchengladbach. Unter den Top-Restaurants, die darin – ausgewählt von prominenten Restaurantbesuchern – gelistet werden, gehören neben dem Palace St. George auch das Rosenmeer, Lehmanns Restaurant, Sapori d’Italia und La Tavernetta.
„Ja, man kann hier inzwischen tatsächlich essen gehen – und zwar wirklich gut“, sagt auch der Chef der Wirtschaftförderung, Dr. Ulrich Schückhaus. Und er sieht den bedeutenden wirtschaftlichen Faktor: „Die Spitzengastronomie, die wir inzwischen haben, bringt uns deutlich nach vorn. Solch ein Niveau hatten wir bisher noch nie.“ Geschäftsfreunde werden nicht mehr in die Landeshauptstadt kutschiert, wenn es darum geht ein Arbeitsessen in stilvollen Ambiente einzunehmen. Sie genießen in der Vitusstadt.
Beispielsweise profitieren die Firmen, die sich im denkmalgeschützten Bereich des Nordparks angesiedelt haben, vom Palace St. George. Das benachbarte Van Laack denkt über einen Erweiterungsbau nach – mit einem zusätzlichen kulinarischen Treffpunkt. „Das ist ganz wichtig für den Standort“, bestätigt Marcellino Hudalla. „Für die Ansiedlung neuer Unternehmen ist der Freizeitwert einer Stadt enorm wichtig.“ Da sei Mönchengladbach auf dem richtigen Weg. Und er verrät, dass er inzwischen von Düsseldorfern weiß, die zum Schlemmen nach Mönchengladbach fahren.
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