Mönchengladbach: Große Betroffenheit bei Karstadt in Rheydt
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 10.06.2009Mönchengladbach (RPO). Wo am Montag noch die mobilen Stände vor den Eingängen aufgebaut waren und Mitarbeiter Unterschriften der Bevölkerung gegen eine Schließung der Karstadt-Filiale in Rheydt sammelten, herrschte am Dienstag gähnende Leere.
Obwohl draußen die Schaufenster noch dunkel verhangen waren, herrschte drinnen ganz normaler Nachmittagsbetrieb. Dabei waren die Nachrichten, die die 140 Mitarbeiter und elf Auszubildenden der Filiale am Dienstag zu verdauen hatten, keine guten: Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat beim Amtsgericht in Essen Insolvenz angemeldet. Die meisten Mitarbeiter wollten dazu an diesem Tag gar nichts sagen. "Ich werde um Gottes Willen die Hoffnung nicht aufgeben", sagte dann doch eine Verkäuferin. Ihren Namen wollte sie aber lieber nicht nennen.
Leise Hoffnung
Am Morgen bestand noch eine leise Hoffnung auf einen 437 Millionen Euro Notkredit. Doch Arcandor besserte seinen Antrag auf den staatlichen Notkredit nicht, wie gefordert, aus. Stattdessen nun die Insolvenz. "Wir haben heute einen sehr schweren Tag", sagte der Geschäftsführer der Karstadt-Filiale, Manfred Hundt auf Nachfrage der RP. Er sprach gestern ausführlich mit seinen Mitarbeitern. "Die Entscheidung heute hat natürlich bei allen große Betroffenheit hervorgerufen", sagte er. Die Insolvenz sei aber auch ein Neuanfang. "Wir behalten den Kopf hoch und machen weiter, der Verkauf soll weiterhin wie bisher normal ablaufen", so Hundt. Was in der Zukunft passiert, daran will er noch nicht denken.
Der Zuspruch der Bürger für die gebeutelten Mitarbeiter ist weiter hoch. "Ich kann mir Rheydt ohne Karstadt überhaupt nicht vorstellen", sagt eine Kundin bestürzt. "Die Mitarbeiter tun mir wirklich leid." Über 11 000 Unterschriften haben die Bürger für den Erhalt der Filiale geleistet.
Betroffen schien auch Oberbürgermeister Norbert Bude. Er habe sich eine andere Lösung gewünscht, sagte er im RP-Gespräch. Dennoch hat der OB noch Hoffnung und erinnert an das klare Bekenntnis des Vorstandsvorsitzenden Stefan W. Herzberg für die Erhaltung des Standorts Rheydt. "Das ist mit der Insolvenz noch nicht ganz ausgeschlossen", so Bude.
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