Mönchengladbach: Großmeister im Schloss
VON CHRISTIAN LINGEN - zuletzt aktualisiert: 07.06.2010Mönchengladbach (RPO). Zum 90-jährigen Bestehen des Rheydter Schachvereins kam Großmeister Dr. Helmut Pfleger in den Rittersaal von Schloss Rheydt. Er trat gegen 30 Spieler in einem Simultanwettkampf an und verlor dabei nur ein einziges Spiel.
In den 60er und 70er Jahren gehörte er zur deutschen Schachnationalmannschaft und trat bei zahlreichen Schacholympiaden an. Heute tritt Dr. Helmut Pfleger kaum noch bei Turnieren an. Dennoch ist er ein gefragter Mann. Am Samstag besuchte er den Rheydter Schachverein (RSV), der in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert. Nach einem Vortrag über die Partie von Edward Lasker gegen George Alan Thomas aus dem Jahr 1912 trat der Arzt aus Bamberg gegen 30 Spieler des RSV in einem Simultanwettkampf an, der über fünf Stunden dauerte. Danach mussten die noch offenen Partien abgebrochen werden, weil der RSV den Rittersaal von Schloss Rheydt nicht unbegrenzt nutzen konnte. Von den 30 Spielen verlor Helmut Pfleger, der seit 1975 den Titel eines Großmeisters trägt, nur das gegen Dr. Volker Gassmann.
Erste Partie gegen den Vater
Während die Spieler des RSV konzentriert an ihren Spielbrettern saßen, musste Pfleger im Kreis laufen, um den nächsten Gegner zu erreichen. Damit hatte er einen klaren Nachteil, da seine Gegner mehr Bedenkzeit hatten. Aber auch konditionell musste der Großmeister einiges leisten. "Beim Schach muss man auch körperlich fit sein. Solche Spiele sind anstrengend", sagte Helmut Pfleger. Fit halte er sich mit Fußball. "Ich spiele in einer Alt-Herren-Mannschaft", erzählte er. 16 seiner Gegner konnte Pfleger besiegen. 13 Partien endeten unentschieden. "Helmut Pfleger verkörpert ein Stück Schachgeschichte", sagte Stadtmeister Thomas Krause ehrfurchtsvoll. Und das nicht nur durch seine Zeit als Nationalspieler. In den 80er und 90er Jahren hatte Helmut Pfleger mit seiner Fernsehsendung "Schach der Großmeister" Erfolg. Heute schreibt er Kolumnen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften.
Begonnen hat Pflegers Interesse für Schach bereits in seiner Kindheit. "Mit sechs Jahren habe ich das erste Mal gegen meinen Vater gespielt", erinnert sich Helmut Pfleger. Bereits vier Jahre später erzielte er erste Erfolge bei Wettkämpfen. Sein bestes Spiel habe er 1964 gemacht. Damals trat er bei der Schacholympiade in Tel-Aviv an und belegte mit der deutschen Mannschaft, die nur aus Amateuren bestand, den dritten Platz. Da auch Pfleger immer nur ein Amateurspieler war, übte er bis vor kurzem den Beruf des Arztes aus. Als solcher fertigte der Internist und Psychotherapeut eine Studie über Schachspieler während des Wettkampfes an.
Das längste Spiel seiner Karriere habe elf Stunden gedauert. "Talent alleine reicht eben nicht. Man braucht Ausdauer", sagte Pfleger. Dass er die immer noch besitzt, hat er gegen die RSV-Spieler bewiesen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







