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Mönchengladbach: Gründet diese Stadt neu!

VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.07.2009

Mönchengladbach (RPO). Die Innenstadt ist verbaut. Um Abhilfe zu schaffen, müsste sich Gladbach ein drittes Mal in seiner Geschichte neu erfinden. Das soll, wie in Köln, ein Masterplan leisten. Ein Verein will dafür bei Unternehmern Geld sammeln.

Die Analyse ist klar, das Ziel unstrittig, der Weg dorthin auch. Allein: Es fehlt das Geld. Denn ein Masterplan, der verbindlich festlegt, was wo wie gebaut wird, kostet Geld. Viel Geld. Die überschuldete Stadt hat diese Mittel nicht. Darum will nun die Mönchengladbacher Architektenschaft einen Verein gründen. 200 eigens für diesen Zweck konzipierte, hochwertige Broschüren sollen Unternehmer und engagierte Bürger motivieren, sich für ihre Stadt zu engagieren.

Die Analyse Sie wird in der Broschüre, die die Architektenschaft, Torsten Stamm von der Stadtverwaltung, Johannes Jansen von der Künstlergruppe "Freimeister" und Anja Reiners gemeinsam gestaltet haben, in bemerkenswerter Schärfe und Klarheit geleistet. Vor 1000 Jahren gründeten die Mönche Gladbach. Vor 200 Jahren sorgte die Industrialisierung für die zweite Gründung der Stadt: Als bedeutender Standort der Textilbranche wurde Mönchengladbach zu einer blühenden, modernen Stadt mit hervorragender Infrastruktur und großem kulturellen Reichtum.

Dann kam der Strukturwandel und hinterließ Mönchengladbach als Verlierer. Industriebrachen, wuchernde Verkehrsadern und lieblose Neubauten entstellen das Stadtbild. Zielloses Bauen spiegelt, so die Autoren, die Ziellosigkeit der Stadt wider. Die Diskussion um die bipolare Stadt haben die Entwicklung der Innenstadt behindert. "Fast könnte man meinen, den Mönchengladbachern ist ihre Stadtmitte peinlich", heißt es in der Broschüre. Das Ziel Die Bürger und auch die Unternehmer brauchen eine Stadt, auf die sie stolz sein können. Ideen, wie die Stadt gestaltet und nicht nur verwaltet wird, gibt es seit langem: etwa das Bundesforschungsprojekt "Mönchengladbach 2030". Es gibt also Grundlagen, auf denen man aufbauen kann, um der Stadt wieder ein klares Gesicht zu geben. Mönchengladbach soll, so schreiben die Autoren, wieder zu urbaner Würde verholfen werden. Der Weg Duisburg hat es vorgemacht mit der spektakulären Umgestaltung des Binnenhafens. Köln ist – mit Hilfe des Kölner IHK-Präsidenten Paul Bauwens-Adenauer – gerade dabei. Ein sogenannter Masterplan strukturiert die Stadt neu. Er ist, heißt es in der Broschüre anschaulich, "eine Art Typberatung für die gebaute Stadt". Duisburg gewann dafür den Star-Architekten Sir Norman Foster, Köln den kaum minder renommierten Albert Speer. Und auch Mönchengladbach bräuchte für einen Masterplan prominente Hilfe. "Das kann keiner von uns Architekten", sagt Stephan Brings, Vorsitzender der Architektenschaft.

Ein Masterplan ist keine Bauanleitung für eine ganze Stadt. Er ist in erster Linie Richtschnur, an dem sich die konkreten Bauplanungen orientieren müssen. Wo ist die Handelsstadt? Wo die Wohnstadt? Welche innerstädischen Flächen eignen sich für welche Nutzungen? Und was geht gar nicht? All dies regelt ein Masterplan. Und zwar verbindlich. Das heißt: Auch der Rat nimmt den Plan als Grundlage für sämtliche Entscheidungen. Darum schreiben die Autoren immer wieder vom Konsens, der die Voraussetzung eines Masterplans ist.

Ihn für die Gladbacher und Rheydter Innenstadt inklusive der Hochschul-Spange aufzustellen, dürfte rund eine halbe Million Euro kosten. Dazu braucht es Geld und Einsatz. Im Herbst soll ein Verein zur Unterstützung der Idee gegründet werden. Die Architektenschaft ist in Gesprächen mit namhaften Persönlichkeiten der Stadt, um sie für ihre Idee zu gewinnen.

Quelle: RP

 
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