Mönchengladbach: Gucci-Uhr lag in der Schatulle der Betreuerin
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 30.11.2011Mönchengladbach (RP). Weil die Berufsbetreuerin (55) und der als Gehilfe mitangeklagte Bezirksrevisor (60) vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts hartnäckig ihre Unschuld beteuern, standen am Dienstag Kriminalbeamte im Mittelpunkt, die die Wohnungen der beiden Angeklagten durchsucht hatten.
Gewerbsmäßige Untreue und Betrug wirft der Staatsanwalt der 55-Jährigen vor. Die Angeklagte, die jahrelang für die Vermögensverwaltung ihrer oft bettlägerigen Schützlinge zuständig war, soll 325 Mal Senioren betrogen haben.
Waren für den täglichen Gebrauch
Der mitangeklagte Amtsrat und Bezirksrevisor soll billigend in Kauf genommen haben, dass sich die Freundin an den Betreuungsfällen bereicherte. Sie soll auf Kosten der zu betreuenden Personen Waren für den täglichen Gebrauch und Luxusgegenstände gekauft, aber dann für sich behalten haben. Doch der mitangeklagte Freund will ihr lediglich bei der Buchhaltung ihrer Abrechnungen geholfen haben.
Tatsächlich entdeckten Kriminalbeamte bereits bei der ersten Durchsuchung im Wohnzimmer des 60-Jährigen zahlreiche Akten, die offensichtlich aus den Betreuerunterlagen der Mitangeklagten stammen.
Einem der Beamten hatte der Bezirksrevisor erklärt, er habe die Akten lediglich in Verwahrung genommen, weil die Freundin damals in ihrem Haus Umbauten vorgenommen habe. Gestern wartete der Mönchengladbacher mit einer anderen Version auf. Jetzt hieß es, er habe die Akten der Betreuerin für den Jahresbericht benötigt.
Im Haus der 55-Jährigen entdeckten die Ermittler Gegenstände, die ursprünglich für betreute Personen gekauft worden waren, aber in deren Zimmern nie gelandet waren. So wurden Klimageräte gefunden, die zwar gebraucht worden waren, aber nicht im Heim. Aus Platzmangel habe sie die Geräte zunächst zwischengelagert, hatte die Angeklagte erklärt. Später hätte sich der Geräteeinsatz in den Heimen als überflüssig erwiesen.
In einem Stahlschrank im Haus der 55-Jährigen hatte man bei der Durchsuchung eine Schmuckschatulle gefunden. Zwischen dem ungeordneten Schmuck lag eine teure Gucci-Uhr, die in den Abrechnungen der Betreuerin auftauchte. Der gesamte Schmuck gehöre ihr, so lautete die erste Aussage.
Später hieß es, die Uhr sei für einen Betreuten gekauft worden. Wegen der "Diebstahlsgefahr im Heim" habe sie die Uhr in Verwahrung genommen. Im Wintergarten der Angeklagten konnten die Beamten Giraffen (Holzfiguren) bewundern. Tatsächlich waren sie für eine betreute Person bestimmt.
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