Mönchengladbach: Guter Vertrag für Altpapier
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 13.01.2009Mönchengladbach (RPO). Der Preis für Altpapier ist so drastisch gestürzt, dass sich mit den neuen Blauen Tonnen kein Geld mehr verdienen ließe. Der Bürger müsste draufzahlen, hätte die Stadt nicht einen langfristigen Vertrag geschlossen.
Eine Tonne randvoll mit Altpapier ist im Moment etwa so viel Wert wie eine Tüte Hustenbonbons. 2,50 Euro, das ist der Preis, den es im Mittel im vergangenen Dezember auf dem Papiermarkt für eine Tonne gab. Für viele Kommunen heißt das nun, dass sie bei der Altpapier-Entsorgung kräftig draufzahlen müssen. Nicht jedoch für Mönchengladbach. Die GEM schloss zum 1. Januar 2005 mit der RWE Umwelt einen langfristigen Lieferungsvertrag, der den Preis bei 48 Euro pro Tonne festlegt. Der Vertrag wurde vom neuen Partner EGN übernommen und läuft bis zum 1. Januar 2017. „Wir sehen uns bestätigt, dass wir nichts falsch gemacht haben“, sagt GEM-Geschäftsführerin Gabi Teufel.
Die blaue Tonne
20500 Stück wurden bislang von den 109000 Haushalten in Mönchengladbach geordert.
200 weitere Bestellungen gehen pro Woche bei dem Entsorger GEM ein.
30000 bis 40000 Stück könnten am Ende in Mönchengladbach stehen, schätzt Gabi Teufel.
Nachfrage aus China
Dabei hatte die Ratsmehrheit, die den Vertrag 2004 abgesegnet hatte, heftige Kritik einstecken müssen. Im Herbst 2007 kletterte der Preis für eine Tonne Altpapier auf sagenhafte 100 Euro, an manchen Tagen sogar auf 120 Euro. Vor allem eine überhitzte Nachfrage aus China und Indien trieb den Preis in die Höhe. Wer in Deutschland Altpapier sammelte, konnte darauf quasi Geld drucken. Viele Kommunen freuten sich über den Geldsegen und handelten selbst weiter mit dem Papier, auch um der Konkurrenz von privaten Sammlern entgegen zu treten. Das verursachte zwar Kosten, brachte aber umso mehr Gewinn.
Mönchengladbach hingegen kassierte weiterhin vertragsgemäß nur 48 Euro. In diesem Jahr führte die GEM die blauen Tonnen ein, in denen der „wertvolle“ Rohstoff von den Haushalten gesammelt werden kann. Das bringt Sicherheit, etwa 23000 Tonnen Papier im Jahr zu sammeln, von denen 17000 an die EGN verkauft werden. Für die GEM bedeutet dies eine gesicherte Einnahme von etwa 950000, die sie direkt an die Stadtkasse weiterführt. Während der Hochphase kassierten andere Städte deutlich mehr. Nun jedoch ist der Markt eingebrochen auf ein paar wenige Euros pro Tonne: Das ist ein regelrechter Preisabfall.
Die GEM schätzt sich nun glücklich, den Vertrag mit EGN unterschrieben zu haben. „Wir haben ein Risiko verkauft“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Besten. In den Kommunen, die das Vabanquespiel eingegangen sind und keinen langfristigen Vertrag abgeschlossen haben, drohen saftige Gebührenerhöhungen für die Bürger, um die Papiersammlung zu finanzieren. Denn wer eine Tonne Altpapier auf eigene Rechnung auf dem Markt verkaufen und etwa den Gewinn der GEM einstreichen möchte, muss einen Preis zwischen 60 und 65 Euro erzielen. Im Moment ist das ein Fabelwert.
Kostenspirale
Wird der Preis nicht erzielt, muss das Papier bis dahin gelagert und der Markt beobachtet werden. Und damit beginnt eine Kostenspirale, die erst mit steigendem Papierpreis beendet wird. Ob die Gewinngrenze bald wieder erreicht werden kann, ist derzeit unklar. „Kaum einer wagt eine Prognose“, sagt Gabi Teufel.
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