Mönchengladbach: Gymnasien: Das große Zittern
VON RALF JÜNGERMANN UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 24.07.2010Mönchengladbach (RPO). Es zeichnet sich immer deutlicher ab, was die neue Schulpolitik des Landes für die Stadt bedeuten wird. Wir sagen, warum die meisten Abiturienten wieder 13 Schuljahre brauchen werden. Außerdem: Details zur sechsten Gesamtschule, zu Gemeinschaftsschulen und zu neuen Schulbezirksgrenzen.
1. Werden alle Gymnasien überleben?
Mit Sicherheit nicht. Allein wegen sinkender Schülerzahlen dürfte es schon mittelfristig unmöglich sein, für neun Gymnasien genug Schüler zusammenzubekommen. Dazu kommt, das zusätzliche Gesamtschulen und Gemeinschaftsschulen eingerichtet werden sollen. "Das geht eindeutig auf Kosten der Gymnasien. Das Schulsterben wird dadurch noch einmal erheblich beschleunigt", glaubt Norbert Post (CDU). Wer als erstes wackelt, ist schwer zu prognostizieren. Sicher fühlen wird sich kein einziges Gymnasium. Posts Landtagskollege Michael Schroeren glaubt: "Ich gehe davon aus, dass wir hier ähnlich wie in Hamburg starken Protest der Eltern erleben werden." Das glaubt Ulrich Elsen, schulpolitischer Sprecher der SPD, nicht. In NRW und in Mönchengladbach werde mit mehr Augenmaß gehandelt. "Ich bin der letzte, der an funktionierende Schulsysteme Hand anlegen will", so Elsen.
2. Was ändert sich sonst noch an den Gymnasien? Die meisten Gymnasien dürften wieder auf das Abitur in 13 Jahren umstellen und damit das gerade erst eingeführte Turbo-Abi kippen. Ulrich Elsen (SPD) geht davon aus, dass die Direktoren unmittelbar nach den Sommerferien die Eltern nach ihrer Meinung befragen werden. Sowohl Ulrich Elsen als auch seine CDU-Kollegen gehen davon aus, dass viele Schulen zur alten Regelung zurückkehren werden. Norbert Post (CDU) hält das für falsch. "Das ist am Bedarf der freien Wirtschaft vorbei", so Post. "In einer ersten Wohlfühlphase halten viele Eltern, Lehrer und Schüler das für schöner. Das dicke Ende kommt dann", prognostiziert Michael Schroeren.
3. Bekommt Mönchengladbach bald eine Gemeinschaftsschule?
Eher nicht. SPD und Grüne sind fest entschlossen, an der Aachener Straße die sechste Gesamtschule der Stadt einzurichten. Ulrich Elsen, schulpolitischer Sprecher der SPD, sagt: "Die genauen Rahmenbedingungen für eine Gemeinschaftsschule sind ja noch gar nicht klar. Ich erwarte die ersten Schulen des neuen Typs auf dem Land und nicht in der Stadt."
4. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen 30 Prozent der Schulen in Nordrhein-Westfalen Gemeinschaftsschulen sein. Was bedeutet das für Mönchengladbach?
Für Michael Schroeren (CDU) ist klar: "Wenn das so kommt, bleibt in der Schullandschaft vor Ort kein Stein auf dem anderen." Ulrich Elsen (SPD) geht nicht davon aus, dass Mönchengladbach in fünf Jahren auf diese Quote kommt. "Das ist allenfalls im Durchschnitt des Landes zu betrachten. Auf dem Land wird es mehr solcher Schulen geben als in der Stadt."
6. Wie startet die sechste Gesamtschule?
Möglicherweise zunächst nur im Gebäude der Gemeinschaftshauptschule Aachener Straße. Die katholische Hauptschule Aachener Straße könnte später für die Sekundarstufe II genutzt werden. Unklar ist noch, wie teuer es ist, naturwisschenschaftliche Fachräume herzurichten.
7. Was wird aus den Schulbezirksgrenzen?
Sie waren abgeschafft worden, jetzt kann sie die Kommune wieder einführen. Ulrich Elsen (SPD) kann sich vorstellen, sie wieder einzuführen, aber anders zuzuschneiden, als dies zuletzt der Fall war. Das muss auch so sein, denn in der Zwischenzeit hat sich in der Schullandschaft viel verändert. So befinden sich zum Beispiel die Grundschulen Bäumchesweg und Waldhausener Höhe gerade in der Auflösungsphase.
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