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Mönchengladbach: Häuslebauer zieht's in die Stadt

VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 24.03.2010

Mönchengladbach (RPO). Wohnen auf dem Land – das war einmal. Der Trend kehrt sich um. Immer mehr junge Familien, Singles und ältere Menschen wollen in der Stadt leben. Entsprechende Baukonzepte gibt es: Das Quartier am Vituspark und das Reitbahn-Karree in Rheydt werden immer beliebter.

Wenn ein mit den Mönchengladbacher Verhältnissen vertrauter Planer die Zukunft der Stadt beschreibt, dann gibt er in der Regel diesen Leitgedanken vor: Das Wohnen muss in die City zurückkehren, sonst blutet sie aus.

Schrumpfende Städte erhöhen die Gefahr, in eine finanzielle Schuldenspirale zu geraten, aus der ein Entrinnen nicht mehr möglich ist. Das bedeutet zwar nicht, dass Mönchengladbachs Citybewohner inzwischen alle irgendwo auf dem Land ihr Domizil aufgeschlagen haben. Doch Ansätze, die in diese Entwicklung gehen, sind erkennbar.

Denn in Außenbezirken sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Wohngebiete entstanden, die vor allem junge Familien ins Grüne gelockt haben. Landkreise in der Nachbarschaft Mönchengladbachs – Kreis Heinsberg, Stadt Viersen – kümmern sich besonders um diese Zielgruppe und werben unter anderem mit Sozialtarifen, um die Grundstückspreise weiter zu senken. Doch stetig steigende Energiepreise haben so manchen Häuslebauer ins Grübeln gebracht. Wer weit weg vom Schuss wohnt, braucht oft ein Zweitauto, um den Nachwuchs zum Kindergarten, zur Schule und zum Sport zu fahren. Außerdem: Innenstädte verfügen in der Regel über eine intakte Infrastruktur mit Geschäften, Treffs und vielerlei soziale Kontakte.

Deshalb denken viele Bauherren um. Das in den vergangenen Jahren oft verpönte Stadtleben wird zur geschätzten Alternative – wenn die Bedingungen stimmen. In Mönchengladbach haben sich zwei Architekten auf die Fahne geschrieben, die Menschen mit besonderen Baukonzepten in die Stadt zu holen: Burkhard Schrammen mit dem Quartier am Vituspark und Hans-Joachim Schoor mit dem Reitbahn-Karree. Das erste Fazit: Dies gelingt, wenn die Häuser architektonisch ansehnlich sind, ein vernünftiges Energiekonzept haben und preislich den finanziellen Rahmen nicht sprengen, den sich junge Familien gesetzt haben.

Bei Schrammen ist diese Rechnung mittlerweile aufgegangen. "Von den Häusern des ersten Bauabschnitts sind 75 Prozent verkauft, und die Nachfrage ist immer noch gut", sagt Schrammen. Das Quartier im Vituspark mitten in der Stadt in der Nähe vom Münster findet zunehmend Anhänger: Zwischen Rheydter Straße und Dahler Kirchweg entstehen auf einem 3,6 Hektar großen Areal insgesamt 55 Einfamilienhäuser und elf Mehrfamilienhäuser. Alle sind barrierefrei und sind für ältere Menschen als auch für Familien, Paare und Singles konzipiert.

Ähnlich verläuft die Entwicklung im Baugebiet an der Lehwaldstraße, dem Reitbahn-Karree. Auf rund 10 000 Quadratmetern in guter Rheydter Citylage entstehen 43 Stadthäuser vornehmlich für junge Familien, dazu Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern. Das Besondere an diesem Projekt: Es gibt eine Tiefgarage für alle und eine aufwändige zentrale Erdwärmeanlage, die Energiekosten drastisch senkt. Mehrere Einfamilienhäuser sind bereits bezogen, andere sind in Bau. "Von den zwölf Wohnungen im ersten Mehrfamilienhaus ist nur noch eine frei", sagt Architekt Hans-Joachim Schoor.

Ein Filetstück

Der Trend zu attraktiven Häusern in der Stadt wird sich vermutlich schon bald an der Krichelstraße fortsetzen. An der Stelle, auf dem jetzt noch das ehemalige Jugendheim der Katholischen Kirchengemeinde St. Mariae Himmelfahrt steht. Wer es sich wegdenkt, erkennt die Verbindung die zwischen der Citykirche als markantes Gotteshaus und dem Museum Abteiberg als eines der bedeutendsten modernen Gebäude in der Stadt besteht.

Dieses Grundstück – ein Filetstück – ist seit 2007 im Besitz der städtischen Tochter Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG). Die will es zügig vermarkten, was die Planer offenbar nicht wollen. Und da schließt sich der Kreis. Denn diejenigen, die das Wohnen in der Stadt propagieren – so der Vorwurf von Kritikern – würden derartige Projekte andererseits zumindest verzögern.

Quelle: RP

 
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