Mönchengladbach: Halloween dient dem Stressabbau
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008Mönchengladbach (RPO). Freitag kriechen sie wieder aus ihren kalten Gräbern und Gruften, ziehen durch die Straßen, klopfen an knarzende Türen und fordern mit markiger Stimme „Süßes“. Wer der Aufforderung der Hexen, Geister und Zombies nicht nachkommt, dem drohen sie mit „oder Saures“. Halloween, die Nacht der Geister, des Grauens und des Schreckens ist wieder da.
Ein Fest, dass in Gladbach gerade von einem Trend zu einer Tradition wird. Die Vampire tanzen und hecken Streiche aus. Dazu gibt es erleuchtete Kürbismasken vor den Haustüren und dampfende Kürbissuppe in den Stuben. Aber woher kommt eigentlich die Lust am Gruseln?
Andere das Fürchten lehren
Bei Halloween komme es weniger auf das eigene Gruseln an, als darauf, andere das Fürchten zu lehren, meint Andreas Bachhofen, Sprecher der psychologischen Psychotherapeuten in Mönchengladbach. Dabei ist die Faszination bei Kindern eine andere als bei Erwachsenen.
Aus Kindersicht liegt der Reiz von Halloween an der Allmacht, über die der Nachwuchs plötzlich verfügt. „Die Kinder sind in dieser Nacht jemand ganz anderes. Sie sind mächtig, dürfen mal böse sein“, erklärt Bachhofen. Sie entkommen eine kurze Zeit dem Alltag, in dem die Erwachsenen die Regeln aufstellen. Dass sich die Nacht auf die Kinderseelen schädlich auswirken und „Süßes oder Saures“ den Nachwuchs zu Schutzgeld-Erpressern machen könnte, befürchtet Bachhofen nicht. Im Gegenteil: „Halloween dient dem Stressabbau.“
Deshalb sei das Fest des St. Martin, bei dem es ums Teilen geht, aus psychoanalytischer Sicht auch nicht zwingend Halloween vorzuziehen. „Halloween ist solange nicht schädlich, solange es nicht zu Auswüchsen führt“, sagt Bachhofen. Aber die gebe es auch an St. Martin.
Für die Polizei hat sich Halloween zu einem Tag entwickelt, bei dem sie mit einem erhöhten Einsatzaufkommen rechnen muss. Allerdings bereite die Nacht des Grauens auch nicht mehr Kopfschmerzen als die Walpurgisnacht, die Nacht zum ersten Mai. Senf auf Autoscheiben, Farbe auf Hausfassaden, zerplatzte Eier an Fensterscheiben, verwüstete Gräber auf Friedhöfen: Das ist im Frühjahr wie im Winter kein Streich mehr, sondern Sachbeschädigung. Trotz solcher Vorkommnisse in den vergangenen Jahren schaut Polizei-Sprecher Willy Theveßen optimistisch auf Halloween. „Ich gehe davon aus, dass sich die Bürger gesetzestreu verhalten“, sagt er. „Wir erleben ein neues Brauchtum am Niederrhein.“ Das sieht auch Bachhofen so. „In Zeiten, in denen viel reglementiert wird, kann man dann aus seiner Haut“, erklärt der Psychologe. Verkleidung und Party stehen im Mittelpunkt – auch bei den Erwachsenen.
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