Mönchengladbach: Hannah – mit 490 Gramm ins Leben
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2008Mönchengladbach (RPO). Weniger als ein Pfund wog Hannah, als sie vor fast 14 Monaten viel zu früh auf die Welt kam. Die kleine Kämpferin hat es geschafft. In der Kinderklinik des Eli verbrachte sie ihr erstes halbes Lebensjahr. Montag musste sie wieder einmal in die Klinik. Ihre Mama, Melanie Gormanns, ist bei ihr.
Als sie ihre Tochter zum ersten Mal sah, war ihr einziger Gedanke: „Hannah lebt!“ Am 5. August 2007 brachte Melanie Gormanns ihr Baby zur Welt – in der 23. Schwangerschaftswoche, 17 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Die kleine Handvoll Leben wog gerade einmal 490 Gramm. „Ich hatte noch nie ein Frühchen gesehen“, sagt Melanie Gormanns. „Zuerst habe ich mich nicht getraut, mein Kind anzufassen.“ Das erste halbe Jahr verbrachten Mutter und Baby in der Kinderklinik des Elisabeth-Krankenhauses. „Da habe ich so viel Zuwendung erhalten und so viel Hilfe, das war ein unglaublicher Trost.“ Melanie Gormanns lernte, die Sauerstoffzufuhr zu überwachen, sie lernte, Hannah über die Bauchsonde mit Nahrung zu versorgen, und sie lernte, mit der Angst umzugehen. „Wir kämpfen nicht mehr um Hannahs Überleben, aber es kann jederzeit etwas passieren.“
Wie am vergangenen Montag. Hannah bekam eine Bronchitis, seitdem ist sie mit ihrer Mama einmal mehr in der Kinderklinik des Eli. Melanie Gormanns ist Tag und Nacht bei ihrer Tochter. An den Anblick der Apparaturen rund um das Gitterbettchen ist sie gewöhnt. „Zuhause sind wir auch komplett verkabelt.“ Routiniert handhabt sie die Gerätschaften, richtet die Schläuche, die dem Körper ihrer Tochter Lebenswichtiges zuführen. „Frau Gormanns ist inzwischen ein echter Profi“, sagt der Chef der Kinderklinik, Professor Wolfgang Kölfen. „Wir könnten sie ohne Weiteres auf der Intensivstation für unsere Neugeborenen einsetzen.“
Melanie Gormanss zweitgrößte Sorge – neben der um Hannah – gilt ihrer vierjährigen Tochter Florine. Schon während der Schwangerschaft hat die junge Mutter viele Wochen im Krankenhaus verbracht, seitdem Hannah auf der Welt ist, musste sie auch immer wieder den Rest der Familie allein lassen, um für die Jüngste da zu sein. „Glücklicherweise haben wir viele hilfsbereite Freunde und Verwandte“, sagt Melanie Gormanns. Sonst würde das alles nicht funktionieren.“ Dennoch: „Ich habe immer Angst, dass Florine leidet.“
Susanne Hartmann beugt sich über Hannah. Die Physiotherapeutin massiert unendlich gefühlvoll Rücken und Brust der kleinen Patientin. Das Mädchen genießt die wohltuende Berührung deutlich. Und dann hustet sie. „Der Schleim löst sich“, sagt Susanne Hartwig zufrieden. Und Hannah schließt völlig entspannt die Augen. Ihre Mama deckt sie mit einer warmen, kuscheligen Decke zu.
Nach Hannahs Geburt war die ganze Familie im Ausnahmezustand. „Wir wussten, dass sich unser Leben gravierend verändern würde, wir wussten aber nicht wie“, sagt Melanie Gormanns. Das Leben mit Hannah hat sich eingespielt, „und unsere Tochter entwickelt sich besser als wir es erhoffen durften.“ Das kleine Mädchen zeigt deutliches Interesse an ihrer Schwester und an Mama und Papa. „Sie nimmt Kontakt auf, und sie kann schon so viel“, sagt Melanie Gormanns. „Ich bin so stolz auf meine Tochter.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





