Mönchengladbach: Hauptschulen im Blickfeld
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 05.08.2009Mönchengladbach (RPO). Die Stadt steht vor einer Schulschließungswelle. Nur darüber reden mag vor den Wahlen keiner. Dabei hätte die Schullandschaft längst geordnet werden können und müssen. So leistet sich die Stadt beispielsweise zwölf Hauptschulen, obwohl rechnerisch sechs ausreichen würden.
Die Erkenntnis ist nicht neu: Die Schülerzahlen sinken. Das ist jetzt schon deutlich spürbar, wird aber noch drastischer. Im Jahr 2012 werden 30 Prozent weniger Schüler in die Sekundarstufe I wechseln als 2002. Das heißt: In der Stadt gibt es zu viele Schulen. Jüngstes Opfer ist die Grundschule am Schmölderpark. Sie muss aufgelöst werden – aus Schülermangel.
Mehr Plätze als Kinder
Ein ähnliches Schicksal wird demnächst auch die Hauptschulen ereilen. Denn auch hier beginnt vor jedem neuen Schuljahr das große Zittern: "Bekommen wir die nötigen 18 Kinder zusammen, um wenigstens eine Eingangsklasse bilden zu können?" Fürs kommende Schuljahr hat es haarscharf geklappt.
Aber in den kommenden Jahren muss um eine noch kleiner werdende Schülergruppe gekämpft werden. Rein rechnerisch würden schon jetzt sechs Hauptschulen ausreichen. Vielleicht wären auch nur vier nötig, wenn die Gesamtschulen, die jedes Jahr mehr als 500 Schüler abweisen müssen, mehr Kapazitäten hätten.
In anderen Städten wurden längst Hauptschulen geschlossen. In Mönchengladbach entschied sich die politische Mehrheit gegen eine solche Maßnahme. Dass es diesmal noch gut gegangen ist, ist eher Zufall. Schon bald könnte das "Aussitzen" fatale Folgen haben. Wenn die Stadt keine Schulen schließt, wird es die Bezirksregierung tun. Es reicht aus, wenn eine Schule in einem Jahr weniger als 18 Anmeldungen hat.
Während die Situation in den Realschulen auch in Zukunft stabil bleiben wird, sehen auch die Gymnasien einem eher dunklen Schicksal entgegen. Auf lange Sicht wird es auch für sie zu wenig Schüler geben. 995 Kinder wurden für das kommende Schuljahr angemeldet, darunter mehr als ein Dutzend Kinder, die eigentlich gar keine gymnasiale Empfehlung haben. Platz gäbe es an den insgesamt neun Gymnasien aber für 1024 Schüler. Nun könnte man sich darüber freuen, dass es in einigen Schulen kleinere Klassen gibt, die ein effektiveres Lernen möglich machen, und dass die Zeiten von Raumnot endlich vorbei sind. Aber es gibt auch negative Seiten: Weniger Schüler, bedeuten weniger Lehrer. Denn das Land berechnet die Lehrerzuweisungen nach Schülerzahlen und Pflichtstunden. In kleineren Systemen mit weniger Lehrern kommen die Differenzierungsangebote daher oft viel zu kurz.
Experten sagen, dass einzügige Schulen vor allem in Sekundarbereich keinen ordentlichen Schulbetrieb erlauben. In Mönchengladbach sind aber gleich sechs Hauptschulen einzügig. Das Differenzierungsangebot ist die eine Sache, viel wichtiger aber ist: Wie viele von den sechs Hauptschulen bekommen im nächsten Jahr die nötigen 18 Schüler zusammen? Überließe man die Sache allein dem Anmeldeverhalten der Eltern, dann könnte es theoretisch passieren, dass die Bezirksregierung eine Schule schließt, die gerade für viel Geld zur Ganztagsschule ausgebaut wurde.
Apropos Geld: Den Schuldenberg der Stadt kenn jeder, und die Kosten für den Unterhalt der Schulgebäude belaufen sich auf 23 Millionen.
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