Mönchengladbach: Heizkosten: Viele müssen nachzahlen
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 04.07.2008Mönchengladbach (RPO). Als Markus Schmitz (Name geändert) seine Heizkostenabrechnung bekam, traute er seinen Augen nicht. 300 Euro sollte er nachzahlen, wo er im letzten Jahr noch 30 Euro zurückbekommen hatte. Schmitz hatte, so wie viele Mönchengladbacher, gespart. Laut der jährlichen Heizölverbrauchsstudie des Energiedienstleisters Techem gehörten sie in der Heizperiode 2006/07 zu den Sparsamsten, benötigten nur 12,38 Liter pro Quadratmeter und landeten damit auf Platz 18 von 92 Städten.
In seiner Not suchte Schmitz Rat bei der Verbraucherzentrale – und war damit kein Einzelfall. „Unsere Energie-Beratung ist seit Wochen ausgebucht. Und viele Fälle sind ähnlich gelagert. Die Leute kommen mit ihrer Abrechnung und möchten wissen, wie sie sparen können“, sagt Uschi Winbeck von der Gladbacher Beratungsstelle der Verbraucherzentrale.
Preiserhöhungen verbunden mit dem Heizverhalten vergangener Jahre führen zur drastischen Verteuerung, erklärt Winbeck. Und diese kann für die Bürger bei der Nachzahlung extreme finanzielle Engpässe bis zur privaten Insolvenz nach sich ziehen. Die NVV reagiert auf die Kostenerhöhungen und wird eine automatische Anpassung der Abschlagzahlungen vornehmen. „Der Kunde kann diese widerrufen. Allerdings muss er dann von einer höheren Endabrechnung ausgehen“, sagt NVV-Pressesprecher Helmut Marmann. „Man muss sich die Anpassung der Abschläge gut überlegen, denn nicht jeder kann sich monatlich eine Erhöhung leisten“, sagt dazu Winbeck.
Bernd Döcker, der Vorsitzende des Mieterverbandes Niederrhein, sieht ein weiteres Problem bei den Nebenkosten: „Wir haben viele Leerstände, so dass sich der Vermieter ein Verkaufargument einfallenlassen muss. Und da er mit der Miete nicht runtergeht, veranschlagt er bei den Nebenkosten eine niedrige Vorrauszahlung.“ Mieter sollten mit 2,50 bis 2,80 Euro pro Quadratmeter an Nebenkosten rechnen, um nicht eine große Nachzahlung tätigen zu müssen, sagt Döker. „Ansonsten hilft, die Heizung runterzudrehen.“
Das machen die Mönchengladbacher schon lange. „Die Leute werden nur das Nötigste kaufen. Für uns nimmt die Situation dramatische Züge an“, sagt Achim Primbs. Ständig muss der Inhaber des Lieferanten Heizöl Höckelmann Gespräche mit Kunden führen, die aufgrund der Preise mit dem Kauf warten. „Das bringt wenig, weil es immer teurer wird“, sagt Primbs. Einen Rat für die Kunden hat er nicht: „Mehr als sparen geht nicht“. Bernd Döker setzt dagegen einen Wunsch: „Hoffen, dass der nächste Winter ein Frühling wird.“
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