Mönchengladbach: Helden aus Gladbach
VON ANDREAS BUCHBAUER UND GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.12.2008Mönchengladbach (RPO). Unter Lebensgefahr haben sie eine Frau aus einem brennenden Haus gezogen und nach Überlebenden in einem, von einer Gasexplosion zerfetzten Gebäude gesucht. Minister Ingo Wolf zeichnet heute fünf Gladbacher Helden aus.
Es war der gewaltige Knall, der Jürgen Odenhausen und seine Lebensgefährtin Astrid Reske am 9. März aufschreckte. Als das Mehrfamilienhaus am Siepensteg bei der Gasexplosion in die Luft flog, waren die beiden Nachbarn sofort zur Stelle. Ohne nachzudenken, kletterten sie über einen Zaun, um zu helfen. Denn unter dem Schutt hörten sie ein schreckliches Wimmern. In den Trümmern entdeckten sie das damals 17-jährige Opfer.
Während Astrid Reske beruhigend auf die junge Frau einsprach, versuchte Jürgen Odenhausen Betonbrocken abzutragen. „Wie lange das gedauert hat, wissen wir nicht. Irgendwann rief ein Feuerwehrmann: Weg da, die Decke kann einstürzen“, erzählt Astrid Reske. „Dass wir uns in Lebensgefahr gebracht haben, daran haben wir in diesem Moment nicht gedacht.“
Hier halfen die Retter
Hausbrand Am 26. Januar wurde eine 73-Jährige bei einem im Badezimmer ausgelösten Hausbrand in Günhoven lebensbedrohlich verletzt. Ohne ihre drei Retter wäre sie heute vermutlich tot.
Gasexplosion Am 9. März detonierte das Haus am Siepensteg 11. Ein Mann starb. Im Prozess gegen den 22-Jährigen, der den Gashahn aufdrehte, werden am Montag die Plädoyers gesprochen. Dienstag wird das Urteil erwartet.
Rettung in letzter Minute
Eine 73-jährige Frau aus Günhoven hatte am 26. Januar gleich drei Schutzengel: Oliver Sauer (35), Tim Kamphausen (30) und Ingo Vitz (37) retteten die Seniorein aus lodernden Flammen. Wenige Minuten später wäre sie tot gewesen.
Die drei Männer waren gerade bei einer Dorfversammlung in der Gaststätte „Rißdorf“, als ein junger Mann hereinstürmte und vom Feuer berichtete. Die Männer überlegten keine Sekunde und rannten sofort zum brennenden Haus.
Heute bekommen Astrid Reske, Jürgen Odenhausen, Oliver Sauer, Tim Kamphausen und Ingo Vitz für ihren Einsatz die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. 35 Bürger werden in Köln von Innenminister Ingo Wolf ausgezeichnet, fünf davon sind aus Mönchengladbach, mehr als aus jeder anderen Stadt.
Als Oliver Sauer, Tim Kamphausen und Ingo Vitz am 26. Januar am brennenden Haus an der Günhovener Straße eintrafen und erfuhren, dass sich noch ein Mensch darin befindet, wussten sie, was zu tun war: Kamphausen und Sauer sind bei der freiwilligen Feuerwehr. Im Badezimmer fanden sie die bewusstlose 73-Jährige und zogen sie aus dem total verrauchten, brennenden Gebäude.
Die Medaille, die Ingo Wolf heute in Vertretung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers verleiht, freut die Lebensretter. „Mit einer solchen Anerkennung haben wir nicht gerechnet“, sagt Ingo Sauer.
Astrid Reske und Jürgen Odenhausen geht es genauso. „Wenn wir noch einmal in eine solche Situation geraten würden, würden wir das Gleiche wieder tun – auch ohne Aussicht auf eine Ehrung. Daran hat nach der Explosion sowieso keiner von uns gedacht“, sagt Jürgen Odenhausen, der von Beruf Gebäudereiniger ist.
Anderen zu helfen, sei für ihn und seine Lebensgefährtin einfach eine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren kocht das Paar an den Weihnachtstagen Suppe, um sie an den verschiedenen Obdachlosen-Treffpunkten in der Stadt an Bedürftige zu verteilen. Odenhausen: „Das hängen wir auch nicht an die große Glocke.“
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