Was macht eigentlich....?: Helmut Harbich: Ein Mann der leisen Töne
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 10.12.2011Mönchengladbach (RP). 30 Jahre Stadtrat, 25 Jahre Landtag: Er hat drei Jahrzehnte Politik in und für Mönchengladbach gemacht. Seit seinem Rückzug 1999 /2000 will Helmut Harbich keinen Einfluss mehr auf die Politik in dieser Stadt nehmen. In Düsseldorf aber ist er immer noch ein bisschen präsent.
Der große Auftritt, die Show ist nie seine Welt gewesen. Vielleicht auch deshalb hat so mancher in Mönchengladbach Helmut Harbich trotz der drei Jahrzehnte im Stadtrat und eines Vierteljahrhunderts im Landtag nicht als herausragenden Politiker in Erinnerung. Was ihn aber nicht sonderlich zu stören scheint. "Mehr Sein als Schein ist meine Devise. Lieber aus der zweiten Reihe mitsteuern als im Rampenlicht stehen", sagt der 79-Jährige. Und setzt, durchaus selbstbewusst, hinzu: "Ich mag das lange Palaver nicht. Ich habe immer sehr ergebnisorientiert gearbeitet."
Georg Schulhoff, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, hat einmal gesagt, Helmut Harbich, damals Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach, strahle "Straffheit und Disziplin aus wie ein preußischer Offizier". Das mit Preußen mag zwar ein wenig hinken, denn er und seine Familie stammen aus Mähren, das von der Geschichte eher österreichisch-ungarisch geprägt ist. Doch Geradlinigkeit und Verlässlichkeit sind Tugenden, auf die Harbich immer Wert gelegt hat. Und es heute noch so hält, auch bei ganz alltäglichen Dingen.
Zum Beispiel, wenn seine Tennisfreunde von der TG Rot-Weiß anrufen und seine Frau Stephanie warnt: "Das ist doch schon das dritte Mal in dieser Woche. Denk dran, du wirst demnächst 80." Doch dann setzt er sich entschlossen durch: "Sonst fehlt denen der vierte Mann zum Doppel, dann können die drei nicht spielen." Im Fußballverein Viktoria Alpen hat Harbich nach dem Krieg als Schüler, Jugendlicher und später als junger Erwachsener gelernt, was Verlässlichkeit, was Mannschaftsgeist ist.
Alpen: Das ist der 3500-Seelen-Ort am Niederrhein, in dem die Harbichs, Mutter, Großmutter, der 13-jährige Helmut und seine Schwester, 1946 gelandet sind nach ihrer Vertreibung aus dem durch die Oder-Neiße-Linie polnisch gewordenen mährischen Schnobolin (das heute zu Olmütz gehört). Über die Erlebnisse als Vertriebene dort und beim Transport auf Lastwagen nach Nürnberg mag Helmut Harbich immer noch nicht reden, nur so viel: "Wir haben sehr schlimme Dinge erlebt und gesehen."
Über einen Onkel, der als Lehrer in Alpen gelandet war und den Weg ebnete, kamen die Harbichs dann aus Nürnberg bald nach Alpen; der Vater, ein gelernter Schlosser, folgte eineinhalb Jahre nach Kriegsende aus der Gefangenschaft. Im Gegensatz zu vielen anderen Vertriebenen, die im Rheinland von den Alteingesessenen als "Pollacken" beschimpft wurden, mussten sie sich dort nicht mehr als Flüchtlinge fühlen: "Weil mein Onkel Lehrer war, gehörten wir als seine Familie gewissermaßen zur Dorfelite."
18 Jahre später, nach dem Abitur in Moers, dem Jurastudium in Freiburg und Münster und nach dem zweiten Staatsexamen für zwei Jahre am Landgericht Duisburg kam Assessor Harbich mit seiner Frau, einer Lehrerin, nach Mönchengladbach: als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, zu der bis zur Kommunalreform 1975 auch noch Viersen gehörte. "Diese Aufgabe bot mir mehr Gestaltungs- und Entwicklungsfreiraum als die Justiz – und auch finanziell war sie attraktiver. Zudem hatte ich Interesse an der Politik bekommen. Als Richter hätte ich das aber nicht machen können", erklärt Harbich seinen Wechsel.
Zwei Männer vor allem waren es dann, die seine politische Karriere in der CDU anschoben: Zuerst Emil Köhler, der legendäre Kreishandwerksmeister, und später Dr. Franz Meyers, der 1966 gestürzte NRW-Ministerpräsident, der 1974 bei der kommunalen Neugliederung als "Staatskommissar" seine Heimatstadt Mönchengladbach mit Rheydt und Wickrath zusammenführte. Meyers drängte Helmut Harbich, der seit 1968 in der CDU und seit 1969 im Stadtrat war, zur Kandidatur 1975 für den Landtag. Der Assessor wurde gewählt, trat als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in den "einstweiligen" Ruhestand, wurde noch viermal wiedergewählt, bis er 2000 nicht mehr antrat. Ein Jahr zuvor hatte er sich bereits aus der Kommunalpolitik zurückgezogen, gemeinsam mit seinen einflussreichen CDU-Weggefährten Alfred Bohnen, Hans-Wilhelm Pesch, Werner Wolf und Heinz Feldhege, dem Oberbürgermeister. Für dessen Posten war Harbich übrigens 1984 ebenfalls ein Kandidat gewesen. "Doch ich selbst habe nicht ernsthaft daran gedacht. Denn ich kannte ja längst die Mentalität der Mönchengladbacher. Als Nicht-Eingeborener hätte ich es als Oberbürgermeister sehr schwer gehabt."
So hat er sich im Landtag und im Stadtrat weiter um Wirtschaftsförderung, den Strukturwandel an Rhein und Ruhr und im zu seiner Heimatstadt gewordenen Mönchengladbach gekümmert. Um Arbeit und Soziales, ganz besonders um die Förderung Jugendlicher, die keine Lehrstelle hatten, um Krankenhausfragen. Und darum, dass der gefräßige Braunkohletagebau nicht auch noch Wanlo wegbaggern darf.
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