Mönchengladbach: Heros-Fall erneut vor Gericht
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 23.04.2008Mönchengladbach (RPO). Zu sechs Jahren Haft hatte die Mönchengladbacher Wirtschaftsstrafkammer die Geldzählerin Silke M. verurteilt. Weil deren Revision teilweise Erfolg hatte, muss die 40-Jährige seit Dienstag erneut vorm Landgericht erscheinen. Am Ende eines aufsehenerregenden Prozesses stand es 2007 für die Richter fest, dass sich die gelernte Kinderpflegerin der zweifachen Erpressung, Unterschlagung und Beihilfe zur Untreue in 23 Fällen schuldig gemacht hat. Die frühere Angestellte von Nordcash, einer Tochterfirma des Heros-Geldtransportunternehmens, hatte in „maßloser Habgier“ in die Kasse ihres Viersener Arbeitgebers gegriffen und sich in Millionenhöhe bereichert. Am 13. Februar vergangenen Jahres gab es für Silke M. die Quittung: sechs Jahre Haft.
Als die Ex-Personalchefin bei dem Bundesgerichtshof Revision einlegte, stellte der BGH die Untreue-Fälle ein. Als zeichnungsberechtigte leitende Angestellte hatte die Angeklagte seinerzeit dafür gesorgt, dass Kundengelder auf Heros-Konten und nicht bei den Kunden landeten. Für Verfahrenseinstellung entschied sich der BGH, weil ein Teil dieser Anklage bereits verjährt war. Doch an den Hauptvorwürfen (doppelte Erpressung und Unterschlagung) wurde im Revisionsverfahren nicht gerüttelt. Deshalb muss Silke M. auch diesmal mit einer längeren Haftstrafe rechnen.
Auch in ihrem erneuten Auftritt vor Gericht blieb sich die 40-Jährige treu. Sie beklagte sich, wie sie es bereits vor der Wirtschaftsstrafkammer getan hatte. Damals hatte sie die Rolle der unterdrückten Ehefrau gespielt, die vom Ehemann zum „Geldbesorgen“ gezwungen worden sei. Ihr mitleidheischendes Verhalten stand schon damals im Widerspruch zur Tat.
Tatsächlich hatte die Angeklagte, die bei Heros als Geldzählerin angefangen hatte, jahrelang mit dem Ehemann in Saus und Braus gelebt. Man besaß große Häuser und teure Autos. Im ersten Prozess hatte Silke B. zugegeben, insgesamt 2,6 Millionen Euro beiseite geschafft zu haben. Im Februar 2004 wurde sie beobachtet, als sie mit 250 000 Euro im Safebag die Firma verließ. Sie bekam Hausverbot. Doch sie hatte beobachtet, dass ihre Chefs Kundengelder unrechtmäßig verwendeten.
Silke B. nutzte dieses Wissen und erpresste die Heros-Chefs um eine Million Euro. Trotzdem beteuerte sie gestern: „Wenn ich noch Geld hätte, ich würde es geben, wenn Sie mich nur herauslassen.“ Im ersten Prozess war die Rede von 350 000 Euro, die in der Vermögensaufstellung der Angeklagten fehlten. Der Aufenthalt in der Untersuchungshaft sei für sie wie ein nicht endender Horrorfilm. Sie leide unter Depressionen und Schlaflosigkeit, sagte Silke B. gestern. Der Verteidiger reagierte mit einem Beweisantrag. Das Gericht soll den behandelnden Psychiater hören.
Die Erste Strafkammer reagierte und beschloss, den Prozess am 7. Mai fortzusetzen.
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