Mönchengladbach: Hier ist es zu laut
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.04.2008Mönchengladbach (RPO). In der Stadt leben 120.338 Menschen in lärmbelasteten Wohnungen. 17.454 werden täglich mit mehr als 70 Dezibel beschallt. Das ist so, als würde ständig ein Rasenmäher laufen. Doch für Gegenmaßnahmen gibt es kein Geld.
Dauerlärm kann krank machen, und in der Stadt ist fast die Hälfte aller Einwohner einer solchen Gefahr ausgesetzt. Im Internet kann jetzt jeder Mönchengladbacher unter http://www.umgebungslaerm.nrw.de/ erfahren, wie laut es bei ihm ist: einfach Straße und Hausnummer eingeben, dann erscheint ein farblich gekennzeichneter Stadtplanauszug. Die Farben Rot und Blau bedeuten: Hier ist es laut. Und das ist fast überall so, besonders an den Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen.
Ruhelos an 50 Straßen
Wer beispielsweise an der Bismarckstraße wohnt, findet noch nicht einmal nachts Ruhe. Hier liegt der Lärmpegel ständig über 70, tagsüber sogar über 75 Dezibel. Das ist ungefähr so, als würde nebenan ein Auto endlos beschleunigen. Ähnlich sieht es an der Fliethstraße, der Gartenstraße, der Kaldenkirchener Straße, der Hofstraße und der Giesenkirchener Straße aus. 50 Straßen liegen im tiefroten bis blauen Bereich, sind also Hauptgeräuschquellen. Selbst Schulen und Krankenhäuser sind lärmbelastet. Auf der Liste der „Lautstarken“ stehen auch die fünf Autobahnen. Die Schienenstrecken durch die Stadt zählen sicherlich auch dazu. Aber die Deutsche Bahn hat ihre Werte bis heute nicht gemeldet. Angesichts der Beschwerden weiß man bei der Stadtverwaltung aber: Auch wer in der Nähe der Gleise wohnt, findet kaum Ruhe.
Dezibel
Was ist eigentlich lauter? Ein Lkw oder Musik? Ein Vergleich:
Raschelndes Blatt: Zehn Dezibel
Leise Musik: 40 Dezibel
Pkw: 60 bis 70 Dezibel
Rasenmähen: 75 Dezibel
Schwerer Lastwagen: 90 Dezibel
Diskothek: 105 Dezibel
Mp3-Player: 110 Dezibel
Rockkonzert: 115 Dezibel
Düsenflugzeug: 140 Dezibel
„So geht’s nicht“, sagt eine EU-Verordnung. Deshalb hat das Land jetzt zwölf Kommunen in die Pflicht genommen, die Lärmpegel zu senken. Aber wie? Und vor allen Dingen mit welchem Geld? „Als Ballungsraumkommune hat die Stadt Mönchengladbach die gesamte Lärmkartierung für Straßenverkehr und Fluglärm ausschließlich durch Eigenmittel finanziert“, sagt Wolfgang Speen, Leiter der städtischen Pressestelle. „Die Landesförderung zur Lärmplanung wurde aber leider kurz vor der gesetzlichen Verpflichtung eingestellt.“ Und dann drückt er es noch deutlicher aus: „Die Kommunen sind die Gekniffenen.“
Ob die Stadt Maßnahmen zum Lärmschutz ergreifen könne, hänge stark von den zur Verfügung stehenden Fördermitteln ab, sagt Speen. Schließlich dürfe die Stadt als Gemeinde mit Haushaltssicherungskonzept keine freiwilligen Maßnahmen umsetzen. Will heißen: Zunächst könne nur das umgesetzt werden, was wenig kostet. So werde überlegt, wie man den Verkehr umlenken kann, ohne neue Straßen zu bauen. Die Herausnahme von Straßen aus dem Vorfahrtsstraßennetz sei eine weitere kostengünstige Möglichkeit: Denn so dürfe die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h reduziert werden.
Aber zunächst müsse erst der erste Schritt, die Lärmkartierung, abgeschlossen werden: Bei der Stadt wartet man weiterhin auf die Werte der Deutschen Bahn.
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