Mönchengladbach: Hilmar Schulz: Gesicht des Studenten-Protestes
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 20.11.2009Mönchengladbach (RPO). Der Studentenprotest ist für Hilmar Schulz alles andere als eine ruhige Zeit. Auch wenn der Student zurzeit kaum Seminare in seinem Studienfach Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein besucht.
Trotzdem kann sich der 26-Jährige über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Als Sprecher der Studenten und Koordinator der Landes-Asten-Treffen ist er viel unterwegs. Fährt zu Protestaktionen, organisiert Podiumsdiskussionen, koordiniert Termine mit Vertretern von Hochschulen und Politik, geht auf Tour zu anderen Universitäten und hält Reden.
Vor zwei Tagen hat er 400 Studenten in Düsseldorf motiviert, sich der Bewegung anzuschließen, danach ist er gleich nach Köln gefahren. Schulz ist Stimme und Gesicht des Protestes in Mönchengladbach.
Hippies oder linke Spinner
Zwölf bis 15 Stunden ist Schulz' Arbeitstag derzeit lang. Aber es lohnt sich, ist er überzeugt. "Wir wollen etwas ändern. Dafür müssen wir mit den Leuten diskutieren", sagt er. Dass es Studenten gibt, die ihn und seine Mitstreiter als Hippies oder linke Spinner abtun, nimmt er hin.
"Viele von denen haben sich über unsere Ziele noch gar keine Gedanken gemacht", ist seine Erfahrung. Aber er ist zuversichtlich, dass sich die Proteste weiter ausweiten werden. "Wir müssen jetzt die Stimmung nutzen, unser Anliegen vorzutragen und etwas zu erreichen. Das wird auch in breiten Teilen der Studentenschaft so gesehen", betont Schulz.
Diskutieren, sich für andere Meinungen öffnen, andere überzeugen: Das hat Schulz schon früh gelernt. Während seiner Schulzeit in Wesel war er in zwei Schulen Schülersprecher. Bevor er nach Mönchengladbach kam, studierte Schulz in Remagen an der Fachhochschule Koblenz und engagierte sich im Studentenparlament. Auch außerhalb der Hochschule ist er politisch aktiv.
Politik interessiert Schulz. In der Protestbewegung ist die politische Seite für ihn das Spannendste. Dabei bleibt der 26-Jährige auf dem Boden der Realität. Dass die Forderungen der Studenten sämtlich erfüllt werden, damit rechnet er nicht. "Wir sind hier nicht bei ,Wünsch Dir was', sondern bei ,So isses'", sagt er klar. "Aber wenn wir eine Verbesserung erreichen, ist das doch eine Verbesserung."
Dazu gehört vor allem Glaubwürdigkeit. Dass Studenten auch während des Protestes arbeiten und Seminare besuchen, findet er wichtig. "Der Protest geschieht nicht, um des Protestierens Willen", betont er. Die Studenten haben ein Anliegen und das soll transportiert werden. Herumgammelnde Kommilitonen wären da kontraproduktiv.
In den kurzen Pausen, die Schulz hat, macht er sich Gedanken, wie es weiter gehen soll. Zum Beispiel, ob sich der Protest nicht zu sehr an Studenten wendet. "Eigentlich müssten wir die Eltern von Kindern in Kindertagesstätten und Schülern einbeziehen", sagt er. "Das betrifft sie ja auch. Ihre Kinder wollen vielleicht irgendwann studieren."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







